Russisches Interesse an RHI

21. November 2006, 13:12
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Martin Schlaff soll Aktien am Feuerfest-Konzern für Dritte beschafft haben

Wien - Der Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff soll sich entgegen bisheriger Dementis offensichtlich doch beim börsenotierten Feuerfestkonzern RHI eingekauft haben. Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, habe sich Schlaff über Wandelschuldverschreibungen, die bisher der Erste Bank gehörten und ab 1. Jänner 2007 in RHI-Aktien getauscht werden können, rund 6 Prozent an der RHI AG gesichert. Der Investor Schlaff lässt den Deal aber nach wie vor dementieren.

Ein Erste-Bank-Sprecher bestätigte am Wochenende auf APA-Anfrage lediglich, dass die Bank Wandelschuldverschreibungen verkauft habe. An wen, wollte der Sprecher unter Verweis auf das Bankgeheimnis nach außen nicht sagen.

"profil" nennt hingegen einen anonymen Erste-Bank-Manager als Informanten: "Es war im Markt bekannt, dass wir unsere RHI-Positionen auflösen wollten. Herr Schlaff ist mit dem Wunsch, diese zu übernehmen, an uns herangetreten, und wir haben verkauft", wird in dem Magazin ein Manager der Erste Bank zitiert, der namentlich nicht genannt werden will.

Sechs Prozent gesichert

Schlaff hat sich, wie das Magazin schreibt, vor wenigen Wochen in aller Stille gut sechs Prozent des RHI-Konzerns gesichert und sei damit auf dem Papier zu einem der größten Einzelaktionäre des börsenotierten Herstellers von feuerfesten Werkstoffen (Jahresumsatz 2005: 1,2 Milliarden Euro) avanciert.

Über seinen Sprecher ließ Martin Schlaff hingegen dem Blatt ausrichten: "Martin Schlaff besitzt keine RHI-Anteile."

RHI-Aufsichtsratspräsident Michael Gröller rechnet laut "profil" damit, dass es mit der Fälligkeit der Wandelschuldverschreibungen am Jahresbeginn 2007 zu "nennenswerten Veränderungen im Aktionärskreis" kommen werde. Auf das vom früheren RHI-Chef Hellmut Longin angestrebte "Österreich-Konsortium" angesprochen hält Gröller fest: "Es wäre natürlich schön, gäbe es ein österreichisches Konsortium. Aber es gibt keines."

Österreichische Lösung

Ein Konsortium von österreichischen Investoren will wie berichtet 25 Prozent plus eine Aktie an RHI kaufen. RHI-Ehrenpräsident Longin arbeitet nach eigenen Angaben an einer "österreichischen Lösung" für die RHI. Auch AvW-Invest-Chef Wolfgang Auer von Welsbach, der knapp unter 5 Prozent der RHI-Anteile hält, habe seine Unterstützung für das Konsortium zugesichert. Mit der Österreich-Lösung soll ein vollständiger Verkauf ins Ausland verhindert werden. Sowohl RHI-Generaldirektor Helmut Draxler als auch Schlaff haben eine Zugehörigkeit zu der Käufergruppe bisher dementiert.

Rätselraten herrscht weiterhin darüber, wo die Anfang 2002 von den Banken aufgegriffenen Wandelschuldverschreibungen in den vergangenen fünf Jahren gelandet sind. Die BAWAG soll ihre RHI-Anteile bereits lange vor der Erste Bank verkauft haben, auch die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) dürfte nur mehr auf einem Bruchteil des ursprünglichen Bestandes sitzen. Einzig die RZB erklärt, bisher keine Schuldverschreibungen verkauft zu haben.

Seit Tagen halten sich in Wien hartnäckig Gerüchte, die Papiere seien zu einem guten Teil ins Ausland gegangen bzw., wie auch das Magazin spekuliert, zu russischen Investoren beziehungsweise deren Vertrauensleuten im Westen. Und das, so "profil", bringe wiederum Martin Schlaff ins Spiel. Nach Magazininformationen soll er die Anteile im Auftrag Dritter beschafft haben.

Beziehungsnetz

In dem Bericht werden Schlaff fein gewobene Beziehungsnetze nicht nur in den Nahen Osten, sondern "offenbar" auch mit einer Reihe russischer Oligarchen nachgesagt, darunter Oleg Deripaska, ein ungekrönter König der weltweiten Aluminiumindustrie, sowie Alexej Mordaschow, Mehrheitsaktionär des russsichen Stahlkonzerns Sewerstal.

Der Sewerstal-Eigentümer durchlief zu Beginn der neunziger Jahre eine Ausbildung bei der VoestAlpine - als eine Art kaufmännischer Lehrling. Deripaska wiederum weilte erst Anfang Februar dieses Jahres in Wien, wo er zusammen mit ausgewählten russischen Geschäftsleuten einer Einladung einer BZÖ-nahen Werbeagentur nachgekommen sei.

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    foto: standard/rhi
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