Demos für den Hamster

15. November 2006, 09:47
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In der Wiener Lobau kämpfen Umweltaktivisten gegen Probebohrungen für einen Autotunnel - Auch der Feldhamster soll damit geschützt werden

Selten ist er geworden, der Feldhamster, und dennoch kommt er manchmal unter die Räder: Den jungen Burschen, der tot in der Unterfahrung bei Wien-Altmannsdorf lag, hat es auf der Brautschau erwischt. Er hatte sein Revier auf der Suche nach einem paarungswilligen Weibchen verlassen und ist prompt im Labyrinth von Tangente und Zubringern ums Leben gekommen.

Kaum zu glauben: Gleich neben der Großstadt, am Laaer Berg in Wien-Favoriten und auf einigen angrenzenden Flächen gibt es noch Feldhamster - und auch in der Lobau ist er noch heimisch. Doch die geplanten Bohrungen für einen Autotunnel im Naturschutzgebiet könnten die Population gefährlich bedrohen.

Kämpfer und Killer

Noch in den 1970er-Jahren gab's zumindest in Deutschland Prämien für gekillte Hamster, heute gelten sie als hoch gefährdete Art. Den Garaus gemacht hat den possierlichen weiß-braun-schwarzen Nagern - Vorsicht, der Feldhamster ist kein Goldhamster, sondern ein ausgesprochen wehrhafter, bissiger Einzelkämpfer mit messerscharfen Nagezähnen! - die Industrialisierung der Landwirtschaft: Die intensivierte Schädlingsbekämpfung zeigt durchschlagende Wirkung, moderne Pflüge dringen darüber hinaus in tiefe Bodenschichten vor und zerstören die Hamsterbaue. Außerdem fehlen in den riesigen Monokulturen Feldraine und Hecken, die der Hamster als Deckung braucht.

Jetzt befinden sich die Hamster bereits im Winterschlaf, sie müssen diesen aber unterbrechen, um zu fressen. Aus diesem Grund "hamstert" der Hamster Getreide, Kleesamen, Kartoffeln, Rüben, Hülsenfrüchte oder auch Mais.

Ursprünglich stammt der Hamster aus den Steppen Osteuropas, mit dem Ackerbau wurde er auch bei uns heimisch. Wegen seiner gebunkerten Wintervorräte galt der kleine Nager seit jeher als Ernteschädling.

Zwei Kilogramm Nahrung braucht er auf jeden Fall, um den Winter zu überleben. Jede Störung - zum Beispiel die Erschütterung durch eine Bohrung - kostet ihn Lebensenergie, und schon ungestört verliert der Hamster während der Winterruhe rund ein Drittel seines Körpergewichts. Etwa die Hälfte der Tiere überlebt die kalte Jahreszeit nicht.

Auswilderungen, die in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern die dezimierten Bestände wieder auffüllen sollen, sind nicht leicht zu bewerkstelligen: Rund die Hälfte der freigesetzten Hamster überlebt die Rückkehr in das Leben in Freiheit nicht.

In Österreich wird nach dem raren Nager sogar gefahndet: Die Biologin Ilse Hoffmann von der Universität Wien bittet auf ihrer Website (siehe Webtipp) um Meldungen von Hamstersichtungen. Außerdem gibt's auf dieser Internetseite auch Infos über Cricetus cricetus, wie der Feldhamster wissenschaftlich heißt. Und auf einer deutschen Website werden sogar Hamsterpaten gesucht. (Andrea Dee, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. November 2006)

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    Feldhamster

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