"Ihr seids ja ärger als die Journalisten"

16. Juli 2007, 10:50
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160 SchülerInnen bei Fischer - Beim siebten Schülertag wurde der Bundespräsident zu aktueller Politik in die Zange genommen

Wien - 6.45 Uhr aufstehen, Morgennachrichten hören, ab ins Badezimmer und dann zur Arbeit. Wie ein ganz "normaler Mensch" beginne Bundespräsident Heinz Fischer seinen Arbeitstag, erklärte er am Freitag 160 Schülern, die seiner Einladung zum Schülertag gefolgt waren. Zum siebenten Mal hatten dabei Schüler Gelegenheit, sich einmal vor Ort anzusehen, wie und wo ihr Staatsoberhaupt wirkt. Mit so harmlosen Themen wie dem Tagesablauf des Präsidenten ließen sich die Jugendlichen allerdings nicht abspeisen. Viele nutzen die Gelegenheit, Fischer auch zum aktuellen politischen Geschehen in die Zange zu nehmen.

"Miteinander reden"

"Ihr seids ja ärger als die Journalisten", scherzte Fischer als er nach seinem kurzen Vortrag zu Rolle und Funktion des Bundespräsidenten in Österreich zu Themen wie dem Wiederbetätigungsgesetz, der Parteienfinanzierung und dem Eurofighter-Ausschuss Stellung nehmen sollte. Nach der Frage einer Schülerin, die eine gewisse Nervosität nicht verbergen konnte - "Wie halten Sie's jetzt mit der ÖVP und SPÖ?" - sorgte sich Fischer, wohl auch angesichts des großen Interesses, um sein Zeitmanagement: "Da müss ma jetzt schon ein bissl kürzer antworten". In punkto Großparteien wünsche sich Fischer jedenfalls in Zukunft von beiden Seiten "miteinander zu reden" und "bevor man Argumente einfach vom Tisch wische, zu analysieren, ob nicht vielleicht auch mal der andere Recht habe". Das sei vor allem auch im Kampf gegen Politikverdrossenheit wichtig, erklärte Fischer seinen jungen Zuhörern.

"Löhne kürzen"

Ein Vorschlag zur Lösung der aktuellen politischen Situation kam von einem jungen Mann: den Abgeordneten solle man fünf Wochen Zeit für eine Regierungsbildung geben und nach Überschreitung dieses Zeitlimits den Parlamentarierern sukzessive die Löhne kürzen. "Ich bin sicher dann hätten wir bald eine neue Regierung", so der Schüler. Fischer zeigte sich zwar amüsiert über diese Idee, bei einer Regierungsbildung gehe es aber um Inhalte und nicht um ein möglichst schnelles Zustandekommen, erklärte er.

Nach Vortrag und Fragestunde durfte sich jede Klasse noch mit dem Staatsoberhaupt ablichten lassen. Dabei wurden noch viele freundliche Worte ausgetauscht und Geschenke an Fischer überreicht. Abschließend geleitete der Bundespräsident seine Gäste noch zu Getränken und Brötchen.(APA)

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    foto: standard/corn
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