Österreich: Die Schere bleibt weiblich

10. November 2006, 19:24
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33 Prozent Einkommens- unterschied im Jahr 2005 - Durchschnitts- einkommen von Frauen bei 1.348 Euro brutto - mit Grafik

Wien - Frauen verdienten 2005 in Österreich um 32,9 Prozent weniger als Männer. Dies berichtete die Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. Während das beste Median-Monatseinkommen der Frauen in Wien bei 1553 Euro brutto stand, so lag das niedrigste Gehalt der Männer (1739 Euro im Burgenland) immer noch um 183 Euro höher. Median-Einkommen bedeutet, dass 50 Prozent der Beschäftigten mehr und 50 Prozent weniger als der ermittelte Wert verdienen. Als Basis wurden die Zahlen der österreichischen Sozialversicherungsträger herangezogen.

Im österreichweiten Durchschnitt verdiente ein Mann 2009 Euro. Frauen kamen auf ein Gehalt von 1348 Euro. Hauptgrund laut AK: die steigende Teilzeitquote bei Frauen. "Dieser Unterschied hängt stark mit dem Einknicken der Einkommenskurve nach der Phase der Kinderbetreuung zusammen. Ein Einkommensverlust, der - vor allem bei Arbeiterinnen - nie mehr aufgeholt werden kann", so die Arbeiterkammer in einer Aussendung dazu.

Weiters sah sich die AKNÖ auch die Unterschiede in den Median-Einkommen in den neun Bundesländern an. Demnach lag Vorarlberg mit einem Einkommen von 1809 Euro an der Spitze, gefolgt von Wien (1785 Euro) und Oberösterreich (1749 Euro). Schlusslicht im Bundesländer-Ranking war das Burgenland, 2005 erhielten Beschäftigte dort 1510 Euro. Der Durchschnittsverdienst in der gesamten Republik lag bei 1721 Euro.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) berichtete am Freitag indessen von mehr Vermittlungserfolgen bei älteren Arbeitslosen. Von den insgesamt 402.408 Arbeitsuchenden, die von Jänner bis Ende September mit Unterstützung des AMS wieder einen Job gefunden hätten, sei rund ein Viertel älter als 45 Jahre gewesen. Insgesamt hätten rund 92.000 Ältere wieder einen Arbeitsplatz bekommen, um rund zehn Prozent oder 8400 Personen mehr als im Vorjahr.

AMS-Vorstand Johannes Kopf betont dabei: "Vom Zuwachs der Beschäftigungsaufnahmen der Älteren profitierten Männer und Frauen gleichermaßen. Neben der hohen Dynamik am Arbeitsmarkt und dem Ausbau des Stellenangebotes haben vor allem auch über 45-Jährige die Schulungen und Förderungen des AMS genutzt."

Nach Regionen betrachtet gab es den relativ stärksten Anstieg bei den Aufnahmen der Älteren gegenüber dem Vorjahr in Oberösterreich (plus 12,9 Prozent). In Wien waren es 11,1 Prozent, im Burgenland lediglich 5,7 Prozent, in Tirol 5,5 Prozent.

Auch bei den Jobsuchenden im Haupterwerbsalter (zwischen 25 und 45 Jahren) gab es Zuwächse bei der Wiederbeschäftigung: Von Jänner bis Ende September kehrten 228.000 ehemals Arbeitsuchende ins Erwerbsleben zurück, das waren um 3,3 Prozent mehr als im Dreivierteljahr 2005. Ein Fünftel der Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen im Dreivierteljahr 2006 waren Jugendliche. Insgesamt 82.335 Jobsuchende unter 25 fanden wieder einen Arbeitsplatz, damit konnte die Integration von Jugendlichen gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent verbessert werden. (APA, red, DER STANDARD, Print, 11./12.11.2006)

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    Um ein Drittel niedriger als jenes der männlichen unselbstständig Beschäftigten fällt das Gehalt von Frauen aus.
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    grafik: standard
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