Pfusch im OP: Grazer Arzt unter Verdacht

13. November 2006, 17:54
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Expertenkommission wirft Chirurgen Fehlverhalten bei 16 Brustkrebsoperationen vor

Der Arzt selbst sieht sich als Opfer einer Rufmordkampagne. Die Fälle werden an die Staatsanwaltschaft weitergegeben.

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Graz – Zwei Tupfer, die in der Brust einer Krebspatientin vergessen wurden, waren im Mai Auslöser der Vorwürfe gegen einen Grazer Chirurgen. Jetzt gehe es jedoch um ganz andere Dimensionen, sagt der Leiter des Universitätsklinikums Thomas Pieber, denn laut Expertengutachten habe der Arzt fehlerhaft gehandelt und sich bei Operationen nicht an internationale Standards gehalten. Unter anderem soll er bei Brustkrebspatientinnen zu wenig Gewebe entfernt haben. Pieber spricht von Kunstfehlern und hält eine Suspendierung für wahrscheinlich.

Eine Expertenkommission hatte 30 Fälle geprüft. „Bei 16 davon lagen große Abweichungen zu gängigen Standards vor, so dass wir sie der Staatsanwaltschaft zur Überprüfung übermitteln“, sagt Klinikumsleiter Pieber.

Der betroffene Arzt trat am Freitag erstmals an die Öffentlichkeit. Im Gespräch mit dem Standard zeigt er sich „geschockt auf Grund der Ereignisse“. Von „Unhaltbaren Vorwürfen und übler Nachrede“ spricht er in seiner Aussendung, denn der Arzt sieht sich als Opfer einer „einmaligen Kampagne“, die seinen Ruf zerstören soll. Er vermutet, dass ein von ihm geplantes Brustkrebszentrum verhindert werden soll, denn dadurch würden andere Krankenhäuser Patienten verlieren. Es gebe keine Beweise für ein Fehlverhalten seinerseits und auch keine Patientinnen, die Vorwürfe gegen ihn erheben. Auch die Tupfer habe er nicht in der Brust der Patientin vergessen.

Der Leiter der Uni-Klinik Thomas Pieber sagt, er verlasse sich auf das Urteil der Experten. Auch mit dem Brustkrebszentrum sieht Pieber keinen Zusammenhang: „Wieso sollte jemand das Zentrum verhindern wollen?“ Ebenfalls weist er den Vorwurf des Arztes zurück, dass es sich um einen medizinischen Krieg handle, denn es gäbe internationale Richtlinien für Operationen, die der Arzt nicht eingehalten habe. (Agnes Fogt, DER STANDARD - Printausgabe, 11./12. November 2006)

  • Der Brustkrebs-Spezialist wird 
beschuldigt, in 30 Fällen Fehler bei der Behandlung begangen zu 
haben.

    Der Brustkrebs-Spezialist wird beschuldigt, in 30 Fällen Fehler bei der Behandlung begangen zu haben.

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