Mehr Todesfälle bei Kindern im Mutterleib

5. Juli 2000, 12:48

Auch Zahl der Frühgeburten nimmt in Oberösterreich zu

Linz - ÄrztInnen und GesundheitspolitikerInnen schlagen Alarm: Die Zahl der Todesfälle bei Kindern im Mutterleib hat im vergangenen Jahr in Oberösterreich erstmals wieder zugenommen. Zugleich ist auch die Zahl der Frühgeburten steigend. Man führt diese Entwicklung darauf zurück, dass die Frauen die Schwangerschaftsberatung zu wenig in Anspruch nehmen und es für die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen an finanziellen Anreizen fehle.

Verbesserung der Schwangerschaftsbetreuung nötig

Die alarmierenden Zahlen wurden am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Linz von Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider (S) und der oberösterreichischen Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger (S) präsentiert. Sie gehen aus einem Bericht des "Perinatalen Arbeitskreises Oberösterreich" hervor. Demnach lag die Rate bei der "vorgeburtlichen Sterblichkeit" im Jahr 1998 bei 2,9 Promille, im Jahr 1999 stieg sie auf 3,6 Promille. Die Anzahl der Frühgeburten nahm von 5,28 Prozent auf 5,75 Prozent zu. Und die Zahl der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen ging seit 1997 deutlich zurück. "Ein schwerer Schlag für die Gesundheitsvorsorge", warnte Stöger, die selbst Gynäkologin ist. Konsequenz müsse eine Verbesserung der Schwangerschaftsbetreuung sein.

Dazu schlagen Haider und Stöger vor, einen verstärkten "finanziellen Anreiz für die Eltern zur Inanspruchnahme der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen" zu schaffen. "Da es auf Bundesebene dazu derzeit keine Bereitschaft gibt, sollte das auf Landesebene im Rahmen des Gesundheitsbudgets geschehen", so Stöger.

"Mutter-Kind-Pass-Bonus"

Konkret soll ein "Mutter-Kind-Pass-Bonus" von insgesamt 10.000 S - in zwei Raten zu je 5.000 S nach dem ersten und dem dritten Lebensjahr des Kindes - ausbezahlt werden. Das würde für 2001 einen Budgetbetrag von etwa 70 Mill. S ausmachen, ab 2003 - wenn die zweite Rate fällig wird - jährlich 140 Mill. Durch einen solchen Bonus würde, sind Haider und Stöger überzeugt, ein zusätzlicher Anstoß gegeben, um Schwangerschaftsberatung und Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen in Anspruch zu nehmen. Sie werde bei den Verhandlungen für das Landesbudget 2001 die notwendigen Gelder für den "Mutter-Kind-Pass-Bonus" verlangen, kündigte Stöger an.

Oberösterreichs Finanzreferent Landeshauptmann Josef Pühringer (V) erklärte in einer ersten Reaktion, er erwarte sich, dass angesichts der Wichtigkeit dieser Maßnahme die Mittel für einen solchen von Stöger vorgeschlagenen Mutter-Kind-Pass-Bonus in erster Linie im derzeitigen Gesundheitsbudget untergebracht werden, alles Weitere sei Sache der Budgetverhandlungen. (APA/pd)

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