"Elefanten im Porzellanladen"

20. November 2006, 15:14
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Raiffeisen-Banker Püspök wettert gegen den Banken-U- Ausschuss und fordert die Neuformulierung des Prüfantrags. ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer solidarisiert sich.

Wien - Der Chef der Raiffeisenlandesbank (RLB) Niederösterreich-Wien, Peter Püspök, ist empört. In einem Gespräch im Klub der Wirtschaftspublizisten am Donnerstag in Wien widmete er sich hauptsächlich dem parlamentarischen Banken-Untersuchungsausschuss. "Es ist ein Akt der Notwehr, wenn ich dazu etwas sage. Wenn man den Antrag in Ruhe durchliest, fällt es schwer, nicht emotional zu werden", machte er aus seinem Bankerherzen keine Mördergrube.

Prüfung der Ostgeschäfte

Punkt 12 des Antrags ("Prüfung der Frage, ob und inwieweit so genannte Ostgeschäfte österreichischer Banken durch fragwürdige Kundenbeziehungen und die Begünstigung groß angelegter Geldwäsche dem Ansehen des österreichischen Finanzplatzes weltweit Schaden zufügen ...") ließ Püspök rhetorisch fragen, "in welcher Welt österreichische Nationalratsabgeordnete, die so einem Antrag zustimmen, eigentlich leben". Wobei den Raiffeisen-Banker nicht nur die "intransparenten Geschäftsverbindungen zu dubiosen Partnern z. B. durch Treuhandkonstruktionen von ... Raiffeisen Investment AG / RusUkrEnergo" (Antrag) enervieren, sondern auch Vorwürfe gegen die Konkurrenz, wie jener der "Insolvenzgefahr bei der Tiroler Sparkasse". Selbige war vor Jahren in Turbulenzen geraten, wurde im Sektor aufgefangen, "da bestand nie Insolvenzgefahr".

Für Püspök gehe es dem Ausschuss nur darum, "politisches Kleingeld zu machen. Da geht man vor wie der Elefant im Porzellanladen der Wirtschaft. Es dürfte einigen Politikern entgangen sein, dass die österreichischen Banken zu den kompetentesten Europas zählen. Wir spielen in der Champions-League mit."

ÖGB-Chef gegen Banken-U-Ausschuss

Zwar werde Raiffeisen "alle gewünschten Auskünfte geben" - er, Püspök, fordere aber dennoch ein Umdenken: "Der Antrag soll überdacht und neu formuliert werden, man soll zugeben, dass da Fehler passiert sind." Schützenhilfe bekommt der schwarze Manager von roter Seite - nämlich von ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer.

Auch dessen Freude über den Banken- U-Ausschuss hält sich in Grenzen: "Ich halte diesen Ausschuss nicht für sehr glücklich. Der österreichische Finanzmarkt müsste wieder zur Ruhe kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ausschuss bei der Bawag, bei der ja Gerichtsverfahren laufen, die Rolle der Justiz übernehmen will." Der ÖGB-Chef auf die Frage, wie es mit dem Ausschuss nun weitergehen werde: "Der Antrag ist eingebracht. Es gibt aber trotzdem viele Möglichkeiten, wie man im Parlament damit umgeht" - auch eine Form des "Einschlafenlassens" sei vorstellbar.

Seriöse Bankgeschäfte

"Locker" sieht Raiffeisen-Banker Püspök dagegen die bevorstehenden routinemäßigen Prüfungen der Banken durch Währungsfonds und Geldwäsche-Bekämpfer FATF. "Wir selbst passen auf wie die Haftlmacher, dass nichts passiert, und insgesamt bringen alle österreichischen Institute seriöses Bankgeschäft nach Osteuropa - in Länder, denen Infrastruktur und teilweise moralische Infrastruktur fehlen."

"Augenmaß" forderte er auch bei einem Lieblingsthema der österreichischen Bankerszene, nämlich der aus Brüssel und Wien-Leopoldstadt (Sitz der Finanzmarktaufsicht FMA)eindringenden Bürokratie, die mit neuen Vorschriften einherzugehen pflegt. Derzeit aktuell: Mifid, die neue EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, in der es um Standards für Wertpapiergeschäfte und Verbraucherschutz geht. Der Raiffeisen-Banker will, dass die Vorschriften "nicht nur für Banken, sondern auch für Vermögensberater gelten". Von denen gibt es österreichweit rund 3000, sie seien derzeit der Aufsicht der Bezirkshauptmannschaften unterstellt, so sie "kleine" Geschäftslizenzen haben. Des Bankers plastischer Vergleich: "Man soll nicht Zebras in den Käfig stecken, weil sie sich's gefallen lassen, und die Löwen frei herumlaufen lassen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2006)

  • Raiffeisen-Banker Peter Püspök zweifelt an der Vernunft "mancher Abgeordneter" wegen des Banken-U-Ausschusses.
    foto: standard/cremer

    Raiffeisen-Banker Peter Püspök zweifelt an der Vernunft "mancher Abgeordneter" wegen des Banken-U-Ausschusses.

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