Wein, Tourismus und Welterbe

14. März 2007, 13:25
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Symposium in Neusiedl am See. Europäische Welterbe-Weinbauregionen knüpfen Netzwerk, sieben Regionen sollen im Rahmen des EU-Interreg-Projekts "Vitour" etabliert werden

Eisenstadt - Ein internationales Netzwerk von Welterbe-Stätten, die dem Wein historisch verbunden sind, will sieben europäische Regionen im Rahmen des EU-Interreg-Projekts "VITOUR" (Wein und Tourismus) - etablieren. An dem im vergangenen Jahr gestarteten Vorhaben beteiligt ist auch das grenzüberschreitende Welterbe Fertö - Neusiedler See. Bei einem Symposium in Neusiedl standen am Mittwoch, 8. November, die Verbindung von Wein, Tourismus und Welterbe sowie die sich daraus ergebenden Möglichkeiten im Mittelpunkt.

Es gehe quasi darum, "die Bereiche Weinwirtschaft, Tourismuswirtschaft und Weltkulturerbe zu verbinden und daraus eine "Super-Cuvee" zu machen, die mehr darstellen kann als jedes einzelne Produkt für sich betrachtet", skizzierte der Geschäftsführer des Vereins Welterbe Neusiedler See, Richard Giefing, die Idee der Zusammenarbeit.

Gemeinsames Marketing

Ein Ziel des Interreg-Projekts sei es, ein Netzwerk zu errichten, um gemeinsam auf Märkten aufzutreten, sich zu präsentieren und ein gemeinsames Marketing zu betreiben. Bis Jahresende soll dazu ein erstes Konzept erstellt sein. Neben einer gemeinschaftlichen Internet-Präsenz werde es auch Folder und Auftritte bei Messen geben. "Seitens der UNESCO wird das Projekt sehr stark unterstützt", berichtete Giefing. Ein sichtbares Zeichen für die gemeinsamen Aktivitäten bildet eine "Weinkiste" mit edlen Tropfen aus allen sieben Partnerregionen.

Die Region um den Neusiedler See gehöre zum ältesten Weinbaugebiet Mitteleuropas, so Univ. Prof. Helmut Redl von der Universität für Bodenkultur in Wien. Bereits im 15. und 16.Jahrhundert wurde Qualitätsweinbau versucht. Derzeit gebe es im gesamten Burgenland knapp 15.000 Hektar Rebfläche. Gegenwärtig weiche einerseits die große Artenvielfalt einer zunehmenden Konzentration. Erfreulich sei andererseits etwa der Siegeszug des Blaufränkischen als autochthone Sorte.

Probleme bildeten beispielsweise in Bezug auf Krankheiten der seit dem EU-Beitritt internationalisierte Rebenmarkt sowie andererseits die zunehmende bauliche Erschließung der Nachbargrundstücke von Weingärten. Man müsse sich auch die Frage stellen, ob man wenige "Elitesorten" oder eher mehr Vielfalt wolle, so Redl, der dafür eintrat, im Einklang mit der Natur qualitativ hochwertige Weintrauben zu produzieren. Der Experte verwies auch auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft, der mit brach liegenden Agrarflächen einhergehe. Durch Nichtbewirtschaftung würden wiederum Krankheitserreger gefördert.

Weingärten herzeigbar machen

In touristischer Hinsicht müsse es ein Bestreben sein, Weingärten "herzeigbar zu machen", so Wein Burgenland-Geschäftsführer Willibald Balanjuk. Er regte Maßnahmen wie eine Kennzeichnung von Weingärten und eine Festlegung von Qualitätsregionen an.

Im Weinland Mittelrhein versuche man seit Jahren, Programme zu entwickeln, bei denen die Gäste mit in die Weinberge gehen, berichtete Geschäftsführerin Hiltrud Specht. Die Weinbauregion mit rund 470 Hektar Anbauflächen erstreckt sich über 60 Kilometer entlang des Rheins zwischen Bingen und Koblenz. So bemühe man sich um eine Zusammenarbeit zwischen Weinwirtschaft und Gastronomie, die Winzer dürfen auch Kulturdenkmäler wie Burgen zu Veranstaltungen nutzen.

Im Rahmen des Interreg III C - Projekts VITOUR haben sich Welterbe-Regionen in Frankreich (Loire-Tal, Saint Emilion), Italien (Cinque Terre), Portugal (Douro Tal), Deutschland (Oberes Mittelrheintal) sowie Österreich (Fertö - Neusiedler See) und Ungarn (Fertö - Neusiedler See, Tokaj) zusammengeschlossen. Das Budget des vorerst für 30 Monate konzipierten Programms beträgt rund 640.000 Euro. Knapp 400.000 Euro werden von der EU getragen, den Rest bringen die Teilnehmer auf. Als Lead Partner des Projekts fungiert das Loire-Tal. (APA)

  • Artikelbild
    foto: epa/karl-josef hildenbrand
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