Südossetien-Konflikt

9. Juli 2007, 09:06
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Siedlungsgebiete der Osseten waren schon im Zarenreich getrennt

Wien - Die Separatistenführer der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien suchen die Vereinigung mit der zur Russischen Föderation gehörenden Teilrepublik Nordossetien und die internationale Anerkennung. Diesen Kurs, gegen den sich die Regierung in Tiflis (Tbilisi) stellt, wollen sie am Sonntag durch ein Referendum bestätigen lassen. Im Folgenden eine Chronologie des Konflikts um die von georgischem Territorium schwer zugängliche Bergregion:

  • 1198 - Der ossetische Herrscher David Soslan heiratet die georgische Königin Tamara. Die beiden Länder werden vereinigt. Nach unterschiedlichen Angaben wandern Osseten danach in das heutige Gebiet Südossetiens ein bzw. waren dort schon Jahrhunderte zuvor angesiedelt.
  • 1774 - Die Osseten schließen sich dem Zarenreich an.
  • 1801 - Georgien wird vom zaristischen Russland annektiert.
  • 26. Mai 1918 - Nach der Oktober-Revolution erklärt Georgien seine Unabhängigkeit als Demokratische Republik.
  • 1920 - Das zu Georgien gehörende Gebiet Südossetien erklärt seine Unabhängigkeit als Sowjet-Republik. Tiflis schlägt den "Aufstand" militärisch nieder.
  • 1921 - Die Rote Armee marschiert in Georgien ein und annektiert es. Der Autonome Verwaltungsbezirk Südossetien mit Hauptort Zchinwali wird geschaffen.
  • 1936 - Unter dem Georgier Josef W. Dschugaschwili (Stalin) wird Georgien eigene Teilrepublik der UdSSR, die Georgische SSR.
  • 1989 - Nationalistische Unabhängigkeitsbestrebungen Georgiens von der Sowjetunion, und wiederum Südossetiens von Georgien. Erste gewaltsame Zusammenstöße.
  • Eine Volkszählung kommt zu folgenden Ergebnissen: In Südossetien leben rund 98.000 Menschen, 66,6 Prozent sind Osseten, knapp 30 Prozent Georgier. In Georgien leben 164.000 Osseten (drei Prozent der Gesamtbevölkerung), 65.000 leben im Autonomen Verwaltungsbezirk Südossetien, 99.000 in anderen Teilen Georgiens.1990 - Vor den georgischen Parlamentswahlen wird ein Gesetz erlassen, das Parteien, die nur in Teilen des Landes aktiv sind ausschließt. Der Autonome Verwaltungsbezirk Südossetien erklärt am 20. September daraufhin seine Unabhängigkeit als "Südossetische Demokratische Sowjet-Republik" und ersucht um Anerkennung durch Moskau.
  • Die Wahl einer Volksvertretung in Südossetien wird von Georgien nicht anerkannt. Tiflis schafft den Autonomen Verwaltungsbezirk Südossetein als eigene administrative Einheit Georgiens ab. Kämpfe brechen aus. Russland und Georgien schicken Truppen ihrer Innenministerien nach Südossetien.
  • 1991 - Georgien schickt seine mehrere Tausend Mann starke Nationalgarde nach Südossetien. Nach Kämpfen und Brandschatzungen setzen sie sich rund um Zchinwali fest und belagern es. Beide Seiten bezichtigen sich bis heute gegenseitig, Gräueltaten verübt zu haben.
  • Der Nationalist und spätere Präsident Swiad Gamsachurdia führt Georgien im April in die Unabhängigkeit. Nach dem gescheiterten Putsch gegen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow im August zerfällt die UdSSR. Die Truppen des russischen Innenministeriums ziehen sich zurück. Laut unabhängigen Beobachtern kommt weiter russische Unterstützung für die südossetische Seite unter unklaren Kommandoverhältnissen.
  • 1992 - Interne Machtkämpfe in Tiflis: Nach Kämpfen wird Gamsachurdia aus dem Amt gejagt, der sowjetische Ex-Außenminister Eduard Schewardnadse folgt ihm als Präsident nach. Er einigt sich mit dem russischen Präsidenten Boris Jelzin auf einen Waffenstillstand in Südossetien, eine gemeinsame russisch-georgisch-ossetische Friedenstruppe und einen gemischten Kontrollrat. Der Konflikt hatte zuvor mehr als 1.000 Tote gefordert; Zehntausende waren geflüchtet.
  • 1993 - Georgien tritt der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bei.
  • 2004 - Nach von Unregelmäßigkeiten geprägten Parlamentswahlen "Rosenrevolution" in Tiflis: Schewardnadse wird durch Massenproteste aus dem Amt gedrängt. Nachfolger Michail Saakaschwili will die Einheit des Landes wiederherstellen und nicht nur den Territorialkonflikt mit Südossetien, sondern auch mit den abtrünnigen Regionen Abchasien und Adscharien lösen. Er verfolgt einen pro-westlichen Kurs, der den Unmut Moskaus erregt.
  • Schwere Kämpfe bei Zchinwali im August. Saakaschwili ordnet danach einen Rückzug der georgischen Soldaten an, die nicht zur gemeinsamen Friedenstruppe gehören. Einigung zwischen Georgien und Südossetien, die Region zu entmilitarisieren.
  • 2005 - Saakaschwili präsentiert vor dem Europarat einen Plan für die friedliche Lösung des Südossetien-Konflikts. Er sieht eine größere Autonomie sowie eine eigene Exekutive und Legislative für Südossetien vor. Der "Präsident" der international nicht anerkannten "Republik Südossetien", Eduard Dschabejewitsch Kokoity, lehnt den Plan ab und beharrt auf einem Anschluss an die russische Teilrepublik Nordossetien (Alanien).
  • 2006 - Das georgische Parlament fordert Russland auf, seinen Teil der Friedenstruppe aus Südossetien abzuziehen. Nachdem Russland Wirtschaftssanktionen verhängt hatte, eskalieren die Spannungen zwischen Moskau und Tiflis, als Georgien im Land stationierte russische Offiziere unter Spionageverdacht festnimmt und ausweist. (APA)
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