Die Mountain- Maschinen

14. März 2007, 13:00
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Eis, Tiefschnee und Funpark - In diesem Winter kommen Skier auf den Markt, die es erlauben, auf jedem Schneeuntergrund gute Figur zu machen

Die Werbeslogans klingen irgendwie bekannt: "Keine Grenzen!", "Totale Freiheit!" und "Nur die Natur und Du!". Mit diesem Sound verkaufen Automobilkonzerne wie General Motors oder Chevrolet in Amerika ihre riesigen Geländewagen. Aber auch die Skifirmen Atomic und Fischer werben mit dem Freiheits-Versprechen für ihre neuesten Ski-Modelle. Genau wie die so genannten SUVs (Sports Utility Vehicles), die sowohl auf dem Speedway als auch auf Schlamm- und Kiespisten zu Hause sind, haben Skier wie der AMC Mountain Cruise "auf der Piste und im Tiefschneehang gute Fahreigenschaften", wie Daniel Huber vom Wiener Designbüro "Spirit" erklärt, der das Modell für Fischer entworfen hat. Für AMC wurde Huber gerade für den "Red Dot Design Award" nominiert.

Designer bezeichnen ihre Skier gerne als Maschinen. Und auch sonst ist automobiles Vokabular en vogue: Der AMC besitzt ein "3D-AirCarbon Titanium Chassis". Damit soll er wie ein SUV auf brettharten Pisten-Autobahnen saubere Carving-Schwünge erlauben und auch im Gelände, zwischen Powder-Löchern, Wechten und Klippen, eine gute Figur machen.

Ähnlich wie Jeeps sind eben auch Skier Instrumente, die es dem Menschen erlauben, aus der Alltagsroutine auszubrechen, die Stadt zu verlassen und neue, unverbaute Gebiete zu erobern, in denen man nicht durch Ampeln und Überholverbote in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. Der "All Mountain"-Trend richtet sich deshalb auch bewusst an "männliche, sportliche User", wie Huber erklärt.

Auch Völkl und Atomic haben mit dem "Unlimited" bzw. der "Metron"-Reihe einen Generalisten im Angebot. Die Bretter sind in der Regel zwischen 1,50 und 1,80 Meter lang und verbinden die Eigenschaften der kurzen, stark taillierten Carving-Skier mit dem extrem breiten Ski-Körper der 1,90 Meter langen Tiefschnee-Gleiter. So besitzt zum Beispiel der Völkl "Unlimited AC 4" zwar eine ähnlich dynamische Form wie das Renn-Modell "Racetiger", ist an der schmalsten Stelle aber 1,6 Zentimeter breiter.

Freeride- und TwinTip-Bretter

Die Ski-Industrie hat in den vergangenen Jahren - vor allem inspiriert vom Snowboard - viele neue Produkte auf den Markt gebracht, die neue Fahrstile und Bewegungsformen ermöglichten. Nach dem sportlich-dynamischen Carver wurden hoch spezialisierte Freeride- und TwinTip-Bretter entwickelt, deren Bauweise auf besondere Einsatzgebiete wie Tiefschneehänge oder Funparks abgestimmt war. Aber da Skifahren nicht wie Golfspielen ist, wo man je nach Situation das Fairway-Holz oder ein Eisen aus der Schlägertasche zieht, ist der "Alleskönner" eine logische Entwicklung. Auch diesen Evolutionsschritt hat man sich übrigens von der Snowboard-Branche abgeschaut, wo Mitte der 1990er die strikte Zweiteilung in "Freestyle" und "Race" aufgehoben wurde, weil es dank neuer Technologien plötzlich auch mit Freestyle-Boards möglich war, sauber geschnittene Schwünge zu fahren. Die Race-Boards sind seitdem so gut wie ausgestorben. "Die Zukunft liegt ganz klar beim Fahren mit breitem Ski-Körper", sagt Christoph Brugger, Produktmanager bei Völkl, "in den USA verkaufen sich unsere breiten Bretter wie verrückt. In Europa vertraut man noch eher auf schmale Rennsportbrettln. Aber das ändert sich auch langsam."

Die Amerikaner lieben eben dicke Geländewagen - sie sind das Symbol für Freiheit und Abenteuer. Bei dem Entwurf für den Fischer AMC Mountain Cruise orientierte sich Daniel Huber auch explizit an SUV. "Optisch spielt der Ski mit Elementen aus dem Design moderner Geländewagen", sagt er. Die Allrounder setzen auf gedeckte, erdige Farben und metallische Oberflächen. Wie Jeeps haben sie ein extrovertiertes Karosserie-Design. "Man verkauft sich auch über die 3-D-Optik", sagt Völkl-Mann Brugger.

Und noch eine weitere Gemeinsamkeit teilen sich die "All Mountain"-Ski mit den Sprit fressenden Jeeps: Weil man im Gelände oftmals den Hangbewuchs schädigt, sind sie potenziell umweltschädlich. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt für den Bergwald trotz des SUV-Ski-Trends: Die Geländewagen sind auch im Offroad-Country USA oft nur Statussymbol - 75 Prozent der SUVs sehen niemals das Gelände. (Tobias Moorstedt/Der Standard/Rondo/10/11/2006)

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