Neun Verletzte bei Unruhen in Nordirland

5. Juli 2000, 10:51

Schüsse auf Polizei in Belfast

London - Bei den Unruhen in Nordirland in der Nacht auf Mittwoch sind nach offiziellen Angaben neun Polizisten durch Wurfgeschoße verletzt worden. Wie die Polizei in Belfast mitteilte, wurden vier Personen vorübergehend festgenommen. In der nordirischen Hauptstadt kam es zu einem Schusswechsel zwischen der Polizei und protestantischen Demonstranten. "Das Feuer wurde erwidert. Niemand wurde verletzt", teilte die Polizei zu dem Zwischenfall an der protestantischen Shankill Road mit.

Schlechte alte Zeiten

In zahlreichen Stadtteilen von Belfast waren in der Nacht Straßenbarrikaden errichtet und Autos angezündet worden. Nach Angaben der BBC erinnerten die Unruhen an "die schlechten alten Zeiten" in der Unruheprovinz. In der ProtestantInnen-Hochburg Portadown setzte die Polizei erstmals seit Ende der sechziger Jahre wieder Wasserwerfer gegen DemonstrantInnen ein. Zuvor waren Brandbomben gegen Beamte sowie Fahrzeuge der Polizei und des britischen Militärs geworfen worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Wegen der "Form" der Proteste sei der Wasserwerfereinsatz gerechtfertigt gewesen.

Der protestantische Oranier-Orden hatte zu den Demonstrationen aufgerufen, um so den Unmut der ProtestantInnen über ein Paradeverbot zu bekunden. Die unabhängige nordirische Paradekommission hat dem Orden untersagt, am kommenden Sonntag durch einen katholischen Straßenzug außerhalb von Portadown zu marschieren. Mit den traditionellen Umzügen im Juli erinnert der Orden an den Sieg in der Schlacht am Boyne am 2. Juli 1690. Dort besiegten die protestantischen Truppen des englischen Königs Wilhelm III. von Oranien die katholische Gefolgschaft seines 1688 abgesetzten Vorgängers und Schwiegervaters, König Jakob II. Stuart. Der 1795 gegründete Oranier-Orden ist die wichtigste protestantische Bruderschaft in Nordirland und verfügt nach eigenen Angaben über 80.000 Mitglieder. (APA)

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