Vernissage der Superlative: 38. Messe für Kunst und Antiquitäten in die Hofburg

16. November 2006, 15:42
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Eine erste Zwischenbilanz zaubert den Teilnehmern an der Traditionsveranstaltung (bis 12. November) ein Lächeln ins Gesicht

Wien - Tattoo Convention mit Drahdiwaberl-Auftritt im Hotel Wimberger, Best-of-Schnaps-Seminar mit Hermann Botolen, Restaurantleiter von Meinl am Graben in der Hofburg oder dann doch ebendort die traditionelle Messe für Kunst und Antiquitäten?

Das Wochenende war an Veranstaltungen nicht knapp, aber für Freunde des Sammelnswerten war es dann doch keine Frage der Wahl. Die Vernissage der 38. Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten bescherte Superlative in Sachen Besucherzahl und Verkauf. "Die mit Abstand beste Vernissage in Wien jemals", tituliert Kunsthandel Runge aus Eferding, wo man sich von einem volkstümlich bemalten Schrank von 1792 ebenso trennte wie von einer frühen Arbeit Sebastian Grabmayrs. Nebenan reichte Patrick Kovacs ein Liegefauteuil, den so genannten Knieschwimmer von F. O. Schmidt, für ein Strandhaus nach Dubai weiter.

Die komplette Boudoir-Einrichtung der Jahrhundertwende-Bühnenlegende Jenny Groß, ausgeführt von Portois & Fix, hat bereits internationale Anfragen verbuchen dürfen und ist mit 75.000 Euro veranschlagt. Gegenüber buhlt ein Teufel lautstark um Aufmerksamkeit, wenn Simon Weber-Unger die Mechanik des um 1700 in Italien gefertigten Figurenautomats betätigt. Mittels Blasebalg und Orgelpfeife stiehlt Der Teufel im Beichtstuhl den anderen Wunderkammerobjekten fast die Show: Etwa alten Schaumodellen aus Wachs oder Pappmaché, den kleinen Globen oder der astronomischen Globusuhr von 1807 (32.000 ¬), alle vereint in oktogonalen Vitrinen von 1870 (je 6000 ¬).

Deutlich distinguiertere Atmosphäre bietet die Sektion bildende Kunst, wo es mehrere Verkäufe zu vermelden gab. Viereckig waren sie alle, die Preise dafür freilich völlig unterschiedlich. Alfons Walde oder Rudolf Ribarz (bei Giese & Schweiger) gefielen ebenso wie Oskar Kokoschka (Wienerroither & Kohlbacher), Werner Berg (Magnet), Mathias Ranftl (für 170.000 ¬ bei Suppan), Carry Hauser und Ferdinand Brunner (Kovacek Spiegelgasse) oder Franz Xaver Petter, dessen Blumenstillleben bei Kovacek & Zetter für kolportierte 58.000 ¬ eine neue Heimstatt fand. Das Who's who der österreichischen Malerei scheint gut nachgefragt, das Angebot noch vielfältig: hier eine Strandszene von George Grosz, eine Kreidezeichnung für 42.000 ¬ (Wienerroither & Kohlbacher), im Künstlerzimmer die von Kovacek Spiegelgasse inszenierte One-Woman-Schau von Edith Kramer mit Arbeiten in der Preisklasse von 7000 bis 25.000 ¬.

Oder auch exquisite Stücke wie das einer Bassgeige gewidmete Interieur von Ernst Stöhr aus dem Jahr 1911, eine Version der in den Sammlungen der Österreichischen Galerie und des Niederösterreichischen Landesmuseums befindlichen Gemälde bei Erich Tromayer, der auch einen frühen Weiler bereit hält: Der Chor der Engel (1954) kostet 90.000 Euro.

Beeindruckend verliefen Verkäufe an Tischlerkunst. Das Kunsthaus Wiesinger liefert dieser Tage einen seltenen figuralen Tabernakel aus Thüringen (1750) einen Damenschreibtisch mit Aufsatz, im Fachjargon Bonheur de Jour genannt und Louis XVI-Wandappliken und Konsolen aus. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2006)

  • Figurenautomat, 1700 in Italien ausgeführt, bei Simon Weber-Unger.
    foto: weber-unger

    Figurenautomat, 1700 in Italien ausgeführt, bei Simon Weber-Unger.

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