Grundstein für Diabetes schon im Mutterleib gelegt

11. November 2006, 19:30
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Berliner Studie: Insulinresistenz kann durch entsprechende "Programmierung" während der Schwangerschaft entstehen

Berlin - Ein Grundstein für Diabetes wird einer Berliner Studie zufolge durch Mangelernährung schon im Mutterleib gelegt: Insulinresistenz ist demnach bereits beim Neugeborenen vorhanden und wird nicht unbedingt im weiteren Lebensverlauf erworben. Das weist erstmals eine Studie von Univ.-Prof. Berthold Hocher, Zentrum für Herz- Kreislaufforschung an der Berliner Charité nach, die im Oktober in der Fachzeitschrift "Circulation" erschien. Die Insulinresistenz ist eine Vorstufe des Typ 2-Diabetes und begünstigt Herz-Kreislauferkrankungen und Bluthochdruck.

Die Barker-Hypothese

Basis der Studie ist die so genannte Barker-Hypothese, die vor etwa 15 Jahren einen direkten Zusammenhang zwischen geringem Geburtsgewicht und der Neigung zu Herz-Kreislauferkrankungen herstellte. In der Entwicklung des Fötus gibt es sensible kurze Phasen, in denen bestimmte Stoffwechselfunktionen eingestellt werden. Bei einer Unterernährung etwa arbeitet der Organismus auf Hochtouren, um eine maximale Verwertung zu erreichen. Diese Anpassung ist irreversibel und gilt damit lebenslang. Wenn also später eine normale Ernährung erfolgt, wird diese überproportional gut verwertet und sorgt damit für Übergewicht.

Ging man bisher davon aus, dass Insulinresistenz beispielsweise erst mit einer falschen Ernährung und ungesunder Lebensweise im Erwachsenenalter erworben wird, konnte Hocher nun zeigen, dass bereits im Mutterleib die Insulinresistenz geprägt werden kann. Das führe zu einem grundlegend neuen Verständnis von Diabetes, hieß es bei der Charité. Weitere Forschungen sollen untersuchen, wie dieser sensible Mechanismus funktioniert und ob im Krankheitsfall sogar ein "Re-Programmieren" möglich sein könnte. "Das ist allerdings noch blanke Zukunftsmusik", sagte Hocher.

Wichtig: Ein Auge auf die Ernährung haben

Generell empfehle sich werdenden Müttern ein sehr bewusster Umgang mit Ernährung. Denn wie die Berliner Arbeitsgruppe in einer anderen Studie herausfand, kann nicht nur Unterernährung, sondern generell Fehlernährung im Mutterleib zu Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter führen. Dies wurde tierexperimentell untersucht. Nicht nur Proteinmangel, sondern auch ein Überangebot an Eiweiß kann im sehr frühen Stadium der Schwangerschaft zu einem geringen Geburtsgewicht und damit zu Herzkreislauferkrankungen der Nachkommen führen. (APA/dpa)

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    foto: photodisc
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