Gemeinsam stark im Weinviertel

24. September 2007, 15:09
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Acht Kleinbetriebe formten ein Team, um zusammen gegen die Billigkonkurrenz anzutreten - ein Porträt

Es muss nicht immer Konkurrenz sein. Dass es nichts nützt, wenn jeder gegen jeden kämpft, hat Team 8, eine Kooperation von acht Weinviertler Betrieben, herausgefunden. Seit eineinhalb Jahren arbeiten die UnternehmerInnen erfolgreich zusammen und zeigen vor, wie sich kleine Betriebe wirksam gegen die große Billigkonkurrenz durchsetzen können.

Die Idee: Wer ein Haus baut, muss viel organisieren. HandwerkerInnen müssen kontaktiert, Kostenvoranschläge erstellt, Termine vereinbart und unterschiedliche Arbeiten aufeinander abgestimmt werden. Team 8 bietet alle benötigten Leistungen - von der Sanitärinstallation bis zum Sonnenschutzsystem - als Komplettlösung an, die zu einem Fixpreis und bis zu einem vorab definierten Zeitpunkt geliefert wird. Die KundInnen sparen so Zeit, die beteiligten Betriebe gewinnen hingegen an Aufträgen.

Kooperation aus Intuition

"Eigentlich wollte ich nur eine neue Homepage", so beschreibt Wolfgang Doppler, Chef einer Mistelbacher Sonnenschutzsystem-Firma und Initiator des Projekts, wie alles begann. Dann wollte der Webseiten-Programmierer wissen, welche Anforderungen die Datenbank erfüllen sollte. Da fiel Doppler ein, dass er seine KundInnen immer schon an bekannte Firmen weitergeschickt hatte, wenn sie ein Problem hatten, das er selbst nicht lösen konnte - und umgekehrt. Nun wollte er diese Kooperation in geregelte Bahnen bringen. So entstand die Idee, die Homepages dieser Betriebe über eine gemeinsame Datenbank miteinander zu vernetzen. Sieben Partner wurden angerufen, sie stimmten zu, und Team 8 entstand.

Am Prinzip hat sich bis heute wenig geändert - nur dass die beteiligten Betriebe nicht mehr nur darauf warten, mit einem Kundenproblem konfrontiert zu werden, das sie selbst nicht lösen können. Sie fragen nach, was alles gebraucht wird, und vermitteln den Kunden/die Kundin im Bedarfsfall an einen Partnerbetrieb weiter. Tauchen ausgefallenere Wünsche auf, die keiner der acht Betriebe erfüllen kann, oder ist eines der Partnerunternehmen ausgelastet, greift Team 8 auf einen erweiterten Kreis an losen PartnerInnen zurück. Will jemand nicht ständig mit mehreren Betrieben kommunizieren müssen, nimmt Team 8 seinen KundInnen auch diese Last ab: Ein Betrieb übernimmt die Koordination aller Aufgaben und überwacht die Einhaltung des Zeit- und Kostenplans.

Mündliche Gesetze

Die Vorteile aus Sicht der Unternehmen: "Mehr Aufträge und bessere Aufträge", bilanziert Doppler. Um das Vertrauen der Kundschaft in die Qualität der Team 8-Leistungen nicht zu enttäuschen, gebe es Richtlinien, was die Art der Leistungserfüllung, Termintreue und den Umgang mit Beschwerden betrifft. Die seien allerdings nicht schriftlich festgelegt - "wir wollen keine Bürokratie, wir wollen arbeiten", so Doppler. Ein weiterer Vorteil aus der Kooperation: Bestimmte Materialien, die alle Betriebe benötigen, werden gemeinsam und somit zu günstigeren Preisen eingekauft.

Die anfangs von Wirtschaftskammer und EU geförderte Koooperation habe bis heute "bestens funktioniert", sagt Doppler, der jedoch zugibt, dass Komplikationen auftreten können. Etwa dann, "wenn alle so weiterarbeiten wie bisher und sich nicht mit den anderen abstimmen wollen". Termintreue sei schließlich "extrem wichtig" und funktioniere nur dann, wenn sich alle die gleichen Maßstäbe in puncto Fristeinhaltung setzen.

Zufriedenheit wird analysiert

Sanktionen gegen säumige Partnerbetriebe habe es aber nie gegeben: Bei den mindestens einmal monatlich stattfindenden Team 8-Treffen würden neben den laufenden Projekten auch etwaige Missstände besprochen. "Über Negatives Reden ist wichtig", findet Doppler, "und aus Reklamationen kann man viel lernen." Damit es jedoch gar nicht erst zu Beschwerden kommt, folge auf jedes abgeschlossene Projekt eine "Zufriedenheitsanalyse" gemeinsam mit dem/der AuftraggeberIn.

Das alles klingt zeitaufwändig - laut Doppler würden sich die beteiligten Betriebe jedoch teils sogar Zeit ersparen. "Wo Firmen früher bei fünf Baustellenversammlungen waren, reicht jetzt ein Jour fixe pro Monat."

In Zukunft möchten die Team 8-Betriebe noch enger zusammenrücken. Ein eigener Standort ist geplant, Personal soll eingestellt werden. "Wir möchten, dass man uns noch stärker als Team wahrnimmt", sagt Doppler. Zumindest auf Seiten der regionalen Betriebe dürfte das funktionieren: Auf Dopplers Schreibtisch liegen bereits Bewerbungsbögen von weiteren InteressentInnen an der Kooperation. (mas)

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Team 8
  • Derzeit gehören acht Betriebe zum Kernteam, bald könnten es mehr werden. Der Name soll sich trotzdem nicht ändern
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    Derzeit gehören acht Betriebe zum Kernteam, bald könnten es mehr werden. Der Name soll sich trotzdem nicht ändern

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