Wirt landete vor Gericht, weil Almdudler gewöhnliche Kräuterlimo war

22. November 2006, 13:50
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Wiener Traditions­unternehmen geht gegen "Etikettenschwindler" vor - Derzeit 20 Verfahren anhängig - Steirischer Gastronom willigte in Vergleich ein

Wien - Weil er an seinem Imbissstand an einem beliebten steirischen Badesee Kräuterlimonade fälschlicherweise als Almdudler ausschenkte, musste sich heute, Mittwoch, ein 37-jähriger Gastronom im Wiener Straflandesgericht verantworten. Das traditionsreiche Unternehmen geht nämlich seit kurzem vehement gegen Wirte vor, die "Etikettenschwindel" betreiben: Mitarbeiter sind in ganz Österreich unterwegs, um jenen auf die Schliche zu kommen, die Almdudler auf der Karte stehen haben, aber eine in der Regel im Erwerb billigere Limonade kredenzen.

Die Wiener Anwaltskanzlei Schwarz & Schönherr bringt in solchen Fällen Privatanklagen nach dem Markenschutzgesetz (MschG) ein. "Derzeit sind 20 derartige Verfahren anhängig", so Markus Grötschl im Gespräch mit der APA, der in der Kanzlei für Markenrechtsverletzungen auf Kosten von Almdudler zuständig ist.

Den Betroffenen drohen Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro, im Wiederholungsfall sogar Freiheitsstrafen. In jedem Fall müssen sie eigens für das Gerichtsverfahren in die Bundeshauptstadt reisen, da das Gesetz im Rahmen einer so genannten Sonderzuständigkeit als Gerichtsort Wien vorschreibt.

So pilgerte also auch der steirische Gastwirt notgedrungen nach Wien. Er betreibt in dem bekannten Ferienort ein Hotel, in den Sommermonaten nebenbei eine so genannte Grillstube direkt am See. Dort bestellte ein anonymer Tester im heurigen Sommer einen Almdudler. Nach dem ersten Schluck war ihm klar, dass er etwas anderes vorgesetzt bekommen hatte. "Es war kein Aroma nachweisbar", hielt der Aldmudler-Mitarbeiter in seinem schriftlichen Bericht fest.

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Er sicherte eine Probe, die in einer Lebensmitteluntersuchungsanstalt analysiert wurde. Dort bestätigte sich sein Verdacht. Der Gastronom wurde umgehend angezeigt. Es war übrigens bereits die 434. Probe, die allein heuer wegen einer vermuteten Markenrechtsverletzung untersucht worden war.

Der Hotelier verantwortete sich nun vor Richter Peter Liebetreu damit, er habe "unbewusst" eine gewöhnliche Kräuterlimo als Almdudler verkauft. In seinem Betrieb habe er zwar seit jeher ausschließlich Almdudler ausgeschenkt, am Standl am See würden Erfrischungsgetränke aber auch gläserweise verkauft. So müsse es wohl zu dem Missgeschick gekommen sein.

Der Steirer ging bereitwillig auf das Vergleichsangebot ein, das ihm der Rechtsvertreter von Almdudler anbot: Er verpflichtete sich, ab 1. Jänner 2007 für fünf Jahre mindestens 40 Kisten mit Almdudler-Flaschen zu beziehen und keine andere Kräuterlimonade mehr anzubieten. Außerdem übernahm er die Verfahrens- und Anwaltskosten von insgesamt 1.500 Euro. Im Gegenzug ließ Almdudler die Klage fallen, der Gastronom bleibt daher gerichtlich unbescholten. "80 Prozent der Verfahren werden so erledigt. Nur jeder Fünfte lässt es auf eine Verurteilung ankommen", verriet Markenrechtsspezialist Grötschl. (APA)

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer
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