Nach Warnstreik wieder Verhandlungen

19. November 2006, 17:40
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Mitarbeiter der Siemens-Softwaresparte PSE wollten in einer Protestverhandlung eine Ausgliederung aus dem Konzern verhindern. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze

Wien – Nach dem Warnstreik, den rund 250 Siemensianer gegen die Filetierung des Siemens-Softwarehauses PSE am Mittwoch in der Wiener Siemens-City abgehalten haben, wird wieder verhandelt. Nicht nur morgen, Freitag, zwischen PSE-Unternehmensleitung und -Betriebsrat, sondern auch unter Einbindung der Sozialpartner.

Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) will nun nach dem Vorbild der Streitschlichtung beim AUA-Streik vor zwei Jahren eine Schlichtungskommission einrichten, die eine Lösung suchen soll. Eine entsprechende Einladung sei bereits an den Fachverband der Elektroindustrie in der Wirtschaftskammer gegangen, die wiederum ihre Zustimmung signalisiert habe, erfuhr der Standard von Siemens und der GPA.

Es wird verhandelt

Außerdem gebe es auch positive Zeichen seitens des Siemens-Vorstandes unter Generaldirektorin Brigitte Ederer, an der Vermittlung hochrangig mitzuarbeiten, sagte GPA-Chef Wolfgang Katzian im Anschluss an die Protestveranstaltung in Floridsdorf und am PSE-Standort Rampengasse im 19. Bezirk. "Man muss die Sorgen der Mitarbeiter und ihre Zukunftsängste ernst nehmen – es ist doch verständlich dass sie nach den Vorfällen bei Benq verunsichert sind", betonte Katzian.

Benq ist ein besonders drastisches Beispiel für eine missglückten Verkauf. Siemens hatte die verlustreiche Handysparte an den taiwanischen Konzern verkauft, der die deutsche Tochter vor wenigen Wochen in den Konkurs schickte. Von einer ursprünglich angedeuteten Jobgarantie war daraufhin nicht mehr die Rede.

Demonstriert, gestreikt und eine Betriebsversammlung abgehalten haben am Mittwoch jene rund 250 PSE-Beschäftigten, die überwiegend für das zum Verkauf stehende, verlustreiche Geschäft mit den Nebenstellenanlagen (Com Enterprise) programmieren. Sie sollen zusammen mit Com-E in die neue Tochtergesellschaft Siemens Enterprises Communications (SEC) abgespaltet und verkauft werden – der Standard berichtete.

Die Belegschaft fürchtet nicht nur einen Konkurs der neuen Firma oder die Verlagerung in ein Billiglohnland, vielmehr sieht man die für den gesamten Siemens-Konzern tätige PSE mit ihren weltweit 6000 Beschäftigten als Ganzes in Gefahr.

1200 PSEler sind nur für die nächsten drei Jahre abgesichert, sie produzieren für die Netzwerksparte, die in das Jointventure Nokia Siemens Networks verlagert wird. Sie haben zumindest für drei Jahre eine Abnahmegarantie durch NSN, wenn auch mit rückläufigem Volumen. Der PSE-Betriebsrat will der Ausgliederung nur zustimmen, wenn es für die Betroffenen eine vertragliche Absicherung plus Rückkehrrecht gibt. Letzteres schloss Ederer aus. Eine Stilllegung sei aber ausgeschlossen – sie rechnet fix mit einem Käufer, der die PSEler als Asset behält. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2006)

  • Zum Auftakt Protest: Siemens-Programmierer wollen nicht aus ihrem Softwarehaus PSE abverkauft werden.
    foto: standard/christian fischer

    Zum Auftakt Protest: Siemens-Programmierer wollen nicht aus ihrem Softwarehaus PSE abverkauft werden.

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