Profi-Sportler droht nun die Abschiebung

2. März 2007, 11:38
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Vor vier Jahren wurde ein heute 21-jähriger Basketballspieler vom Senegal in Österreichs Bundesliga geholt

Jetzt brauchen ihn die Kapfenberg Bulls nicht mehr – und er soll abgeschoben werden.

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Kapfenberg/Wien – Vor nicht all zu langer Zeit war der 21-jährige Malick Sidibe noch das stolze Aushängeschild der Kapfenberg Bulls, wo der 2,31 Meter große Senegalese Bundesliga-Körbe schießen durfte. Nun soll er abgeschoben werden, weil sich der Verein aus gesundheitlichen Gründen im April von ihm trennte. Seine Krankengeschichte, die mit seinem Sport nichts zu tun hat, wird allerdings von Sidibe selbst und dem Verein völlig verschieden gewertet: „Er fühlt sich gut und ist willens und in der Lage, weiterhin seine Leistungen zu erbringen“, meint Lennart Binder, der Anwalt des jungen Mannes, der vor einigen Wochen den Verein auf 60.000 Euro geklagt hat, weil er in den letzten Jahren auch nicht immer korrekt entlohnt worden sein soll.

Im Präsidium der Kapfenberg Bulls will man nicht nur von der Klage gar nichts wissen, sondern sieht sich als Lebensretter des Senegalesen, der mit 17 von einem anderen Kapfenberger Spieler entdeckt und 2002 nach Österreich geholt wurde. „Wir haben ihn davor bewahrt, dass er stirbt“, glaubt Vereins-Präsident Karl Thaller im Gespräch mit dem Standard. Denn die beiden Operationen, denen sich Sidibe in Österreich unterzogen hatte, hätte der Spieler im Senegal wahrscheinlich nicht bekommen, glaubt Thaller.

"Völlig haltlos"

Die Vorwürfe über unvollständige Bezahlungen durch den Verein und davor durch die Big-Men-Academy, die Sidibe in Österreich trainierte und ausbildete, tut Thaller als „völlig haltlos“ ab. Und der Präsident fragt sich: „Wer soll denn das glauben, dass ein Spieler über Jahre hinweg nicht bezahlt wird und nichts unternimmt?“

Einer solchen Frage entgegnet Anwalt Binder, der gegen die drohende Abschiebung seines Mandanten, die am 23. Oktober erfolgen hätte sollen, kämpft: „Er hat sich nichts zu sagen getraut, seine Notlage wurde ausgenutzt. Er wurde wie eine Sache behandelt, die importiert wurde, aber nun keiner braucht.“

Präsident Thaller meint hingegen, er habe sich bemüht, den Liebling der Fans bei einem Klub der deutschen Regionalliga unterzubringen, um „ihm eine Zukunft in der EU zu ermöglichen. Aber er wollte das ja nicht. Ich kann für diesen guten Malick Sidibe nichts mehr tun“. Der Anwalt des Profisportlers konnte bei der Fremdenpolizei nun zumindest noch Zeit gewinnen: „Wir haben einen Verbesserungsauftrag erwirkt. Freunde von Malick Sidibe versuchen nun einen gültigen Pass für ihn zu bekommen“. Doch Nachweise wie jenen einer Krankenversicherung gebe es seit Vertragsauflösung freilich nicht mehr. „Leicht wird es nicht werden“, sagt Binder, doch aufgeben werde man nicht. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD; Printausgabe, 8.11.2006)

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