Rückkehr des Revolutionärs als Populist

Redaktion, 6. April 2007, 11:10
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    foto: ap

Sandinistenchef Daniel Ortega (60) wird in Nicaragua als Wahlsieger gefeiert

Mit Knallkörpern und rot-schwarzen Fahnen feierten zu Wochenbeginn in Managua Anhänger der "sandinistischen Befreiungsfront" FSLN ihren Chef Daniel Ortega, der auf einen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen zusteuerte. "Irreversibel" sei sein Vorsprung, titelte am Dienstag auch die gegnerische Zeitung La Prensa. 16 Jahre nach seiner Abwahl kehrt der ehemalige Revolutionskommandant offenbar an die Staatsspitze Nicaraguas zurück.

Freilich in gewandelter Form. Hatte er nach kurzem Jus-Studium und Jahren des Guerillakrieges mit seinen Compañeros 1979 als 34-Jähriger den Diktator Somoza gestürzt, um dem bettelarmen zentralamerikanischen Land, auch zur Begeisterung vieler junger Europäer, nach kubanischem Vorbild soziale Gerechtigkeit und Unabhängigkeit von den USA zu bringen, so präsentiert sich nun ein ganz anderer Ortega. Den Kampfanzug hat er gegen weiße Kleidung getauscht, in den Reden versprach er einen "fairen Markt", erwähnte öfter Gott als Castro, und Lennon statt Lenin.

"Give Peace a Chance" war das Motto seiner Wahlkampagne. Doch etliche seiner früheren Parteigänger, vom Revolutionspriester Ernesto Cardenal bis zum Ex-Vizepräsidenten Sergio Ramírez, haben sich von ihm abgewandt. "Ortega ist schon längst kein Linker mehr", meint Ramírez, der den FSLN-Chef als populistischen Caudillo beschreibt, der zwecks Wählerfang gegen den Imperialismus agitiert, gleichzeitig aber einen früheren Contra-Chef zum Vize macht.

Unbestritten ist, dass Nicaragua eine Wende braucht. Armut und Arbeitslosigkeit sind gewachsen, die Analphabetenrate hat sich auf 36 Prozent verdreifacht. Mitschuldig am Stillstand machten sich auch führende Sandinisten. Vor allem Ortega, der mit dem 2003 wegen Korruption zu 20 Jahren Gefängnis verurteilten rechten Expräsidenten Arnoldo Alemán einen Deal schloss. Gegen einen machtlosen Präsidenten Bolaños teilten sich Alemáns Liberale und die Sandinisten die Macht im Parlament und über die Justiz. Alemán bekam milden "Hausarrest". Im Gegenzug musste sich Ortega nicht wegen der Vorwürfe seiner Stieftochter Zoilamérica verantworten, er hätte sie als Kind missbraucht.

Ortega schloss sogar mit dem rechten Kardinal Miguel Obando y Bravo Frieden. Er heiratete seine langjährige Gefährtin Rosario Murillo und setzte ein Gesetz durch, das auch medizinisch indizierte Abtreibung unter Strafe stellt.

Ihren Idealen treue Sandinisten wollten gegen Ortega mit Managuas populärem Exbürgermeister Herty Lewites antreten, der aber im Juli überraschend starb. Gleich geblieben ist nur die Ablehnung der USA, die bereits wieder mit Boykott drohen. Dafür hat Ortega einen neuen Freund: Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez, der mit billigen Öllieferungen zu helfen versprach. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2006)

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