"Alarmstufe rot bei den Banken"

27. November 2006, 09:13
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Aktionär Staller verlangt, dass nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Banken einen Beitrag zur Gesundung der AUA leisten

Wien – AUA-Chef Alfred Ötsch gab sich am Montagabend nach außen hin total entspannt und optimistisch, dass er sich mit dem Betriebsrat noch vor Weihnachten über einen Sozialplan und einen Golden Handshake für jene rund 1000 Mitarbeiter einigen werde, die durch die Streichung von Langstreckenflüge überzählig werden. Für das dafür benötigte Geld (kolportiert werden 50 Mio. Euro) braucht Ötsch u. a. die Kapitalerhöhung von bis zu 350 Mio. Euro. Doch wie es derzeit aussieht, wird ihm diese nicht gelingen.

Widerspruch

Zur Erinnerung: Investor Rupert-Heinrich Staller hat bei der Hauptversammlung (HV) in der Vorwoche in allen Punkten Widerspruch zu Protokoll gegeben, was ihm die Möglichkeit gibt, binnen eines Monats alle HV-Beschlüsse anzufechten. Das hat möglicherweise zur Folge, dass während dieser Zeit die Banken und Investoren keinen Finger für die AUA rühren. Der Grund: Die Investmentbanken wollen sichere Projekte (derer es genug gibt) und keine mit einem ungewissen Ausgang.

Ficht Staller also die HV-Beschlüsse an, heißt das in letzter Konsequenz, dass sich die Kapitalerhöhung heuer aller Voraussicht nach nicht mehr ausgeht, sagen Bankvertreter; die AUA ist anderer Meinung. Und ohne Geld gibt es keinen Sozialplan und womöglich keine Bilanz.

Staller reiste nach der HV geschäftlich nach Mailand und wird dort seither von der AUA und den Banken bekniet. "Die suchen das Gespräch mit mir und bemühen sich sehr um mich", gibt Staller unumwunden zu. Die Banken, so sagt er, hätten derzeit "Alarmstufe rot".

Bedingungen

Doch Staller stellt Bedingungen: "Die Banken werden ihren Beitrag leisten müssen, sonst werde ich mich nicht bewegen." Seine Argument: Die AUA zahlte allein 2005 den Banken 72,6 Mio. Euro an Zinsen. "Sie musste die Lauda Air kaufen, sonst hätten die Banken zu viel Geld verloren", erinnert Staller. Nun sei es an der Zeit, dass auch die Institute ihren Beitrag leisten, "sonst gibt es keine Kapitalerhöhung". Wie berichtet, verlangt Staller eine Zinsreduktion oder die Umwandlung eines Teils der Verbindlichkeiten (1,6 Mrd. Euro) in MezzaninKapital.

Die ab 2007 wirksame Streichung mehrerer Langstreckenverbindungen, darunter der Routen nach Schanghai, Australien (Sydney, Melbourne), Kuala Lumpur, Singapur, Kathmandu, Mauritius, Colombo/Male und des Abendflugs nach New York, sei die "allerletzte Maßnahme" gewesen. Anders als große Konkurrenz-Airlines wie die Lufthansa, die auf der Langstrecke 50 Prozent Direktpassagiere befördern könne, seien es bei der AUA lediglich 20 Prozent. Man sei daher mit Verlusten gegen den Markt geflogen.

Fix ist, dass es noch im Laufe des Novembers auf allen AUA-Strecken wieder kostenloses Bord-Essen geben wird. Geht es nach Ötsch, so sollte das künftig von Do&Co kommen. Ötsch zum STANDARD: "Do&Co wäre schön, aber da muss Attila Dogudan zunächst die Airest der italienischen Save abkaufen." Finanzvorstand Thomas Kleibl hat erst zu Jahresbeginn die Airest an die Save verkauft, deren Schwerpunkt allerdings das Restaurant-Geschäft ist. Restaurants

Verträge mit Caterern bis 2009

Die Save, so ist zu hören, wäre bereit, den Catering-Teil der Airest an Dogudan zu verkaufen, vorausgesetzt, sie komme bei den neuen Bahnhofrestaurants und bei den Restaurants im neuen Skylink am Flughafen zum Zug. Aus beiden Unternehmen heißt es unisono, die Betreiber der Restaurants würden ausgeschrieben und die Save sei herzlichst eingeladen, an der Ausschreibung mitzumachen.

Derzeit haben beide, die Airest und die Do&Co (beliefert die Lauda Air), Verträge bis 2009. Spätestens dann wird das Catering neu ausgeschrieben. Auf die Frage, warum man die Airest zuerst an die Italiener verkauft und ein halbes Jahr später doch Do&Co haben will, sagte Ötsch: "Ich habe gar nichts verkauft." (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.11.2006)

  • Geht es nach AUA-Chef Alfred Ötsch, so wird künftig nicht mehr die Airest, sondern Do&Co für die gesamte Bordverpflegung bei der AUA verantwortlich sein.
    foto: standard/christian fischer

    Geht es nach AUA-Chef Alfred Ötsch, so wird künftig nicht mehr die Airest, sondern Do&Co für die gesamte Bordverpflegung bei der AUA verantwortlich sein.

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