Schlaflabor im Nachtkästchen in der Testphase

12. November 2006, 11:00
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Drahtloses Schlaf-Home-Monitoring-Gerät zuhause einsetzbar - Benutzerfreundliches System liefert Vielzahl an Daten

Erlangen - Schlafstörungen sind in ihren Ursachen vielfältig und bedürfen im Einzelfall einer genaueren Analyse. Vor diesem Hintergrund ist es Forschern des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) in Kooperation mit Vertretern aus Wirtschaft und Medizin gelungen, ein drahtloses Schlaflabor im Kleinstformat herzustellen. Somit wird es in Zukunft patentienschonender möglich sein, eine ganze Nacht lang bis zu 24 Stunden unterschiedlichste Vitalparameter aufzuzeichnen und via Internet live und ortsungebunden auswerten zu können.

"Technisch verfügt die Analyse-Anordnung über zwei Dehnungsbänder, eine Nasenbrille und ein Pulsoximeter per Finger-Clip. Im Gerät selbst befindet sich ein Lagensensor zur Bestimmung der Schlafposition, ein drei-Kanal-EKG zur Überwachung des Herzrhythmus und eine Bluetooth-Sendeeinheit", so Christian Weigand, Leiter der Gruppe Medizinische Kommunikation und Sensorik am IIS.

Somit überträgt das kleine Gerät neben der Atmungsfrequenz des schlafenden Patienten auch dessen Lage, Blutsauerstoffsättigung sowie Ableitungen der Hirn-, Herz-, Augen- und Muskelfunktionen. Mittels dieser Daten ist dem behandelnden Arzt die erforderliche Analysegrundlage gegeben, wodurch Rückschlüsse auf die Ursachen der Schlafstörung geschlossen werden können.

Benutzerfreundliches System

Weigand erläutert, dass der Hauptvorteil des "Schlaflabors im Nachtkästchen" in seiner einfachen Anwendung für den Patienten von zuhause aus liegt. Hinzu komme die Möglichkeit hohe Kosten gegenüber einem herkömmlichen Aufenthalt im klinischen Schlaflabor einzusparen. Außerdem sei das neue System benutzerfreundlich, da es nur aus wenigen störenden Kabeln und Messfühlern besteht und einfach um den Brustkorb zu schnallen ist.

Die aufgezeichneten Messdaten werden dann drahtlos via Bluetooth-Funktechnologie an eine Hausbasisstation, wie etwa einen handelsüblichen Computer mit Bluetooth-Schnittstelle und Internet-Zugang, übermittelt und dort automatisch ausgewertet. Anschließend erfolgt die Datenübertragung in verschlüsselter Form über einen dazu speziell entwickelten Server zum Terminal des Arztes. Der Experte verweist auf den Vorteil "einer live und trotzdem ortsungebundenen Beobachtung des Patienten durch den behandelnden Facharzt".

Gerät soll noch kleiner werden

Tests mit 50 Patienten im Vergleich zu herkömmlichen Untersuchungen von Schlafstörungen stimmen Weigand zuversichtlich, da "das Gerät trotz des momentanen Prototypstatus adäquat zu bedienen ist und mit der Industrie eine noch weitere Miniaturisierung geplant ist". Derzeit wird das Gerät am Klinikum Nürnberg und am Klinikum Marburg mit 30 Patienten erprobt, wobei die technische Weiterentwicklung vor allem im Bereich der Reduktion von Messdaten nur auf das EKG angestrebt wird. Das portable Schlaflabor wird erstmals vom 15. bis 18. November am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand auf der Medica 2006 in Düsseldorf präsentiert. (pte/Red)

  • Artikelbild
    foto: www.fraunhofer.de
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