Mobilkom bekommt Zuschlag für serbische Handylizenz um 320 Millionen Euro

20. November 2006, 13:52
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Telekom Austria setzt Osteuropa-Expansion fort - Mobilkom zahlt 320 Mio. Euro für Lizenz und investiert bis 2009 rund 250 Mio. Euro in Netzaufbau

Mit dem am Dienstag erhaltenen Zuschlag für die dritte serbische Handylizenz kann die börsenotierte Telekom Austria nun doch ihre Osteuropa-Expansion fortsetzen, die im Sommer durch ein Scheitern in Serbien und der Slowakei einen Dämpfer erlitten hatte. "Wir sind froh, dass wir es im zweiten Anlauf geschafft haben", kommentierte TA-Chef Boris Nemsic in Brüssel den Zuschlag im Gespräch mit der APA.

320 Mio. Euro und einen symbolischen Euro

Die TA-Handytochter Mobilkom Austria, die neben Österreich bereits in Bulgarien, Kroatien, Slowenien und Liechtenstein tätig ist, zahlt für die Lizenz den Mindestpreis von 320 Mio. Euro und einen symbolischen Euro dazu und investiert bis 2009 rund 250 Mio. Euro in den Netzausbau. Der Vertrag mit der serbischen Regierung muss noch unterzeichnet werden. "Wir rechnen damit, dass wir Ende dieses Monats alles unter Dach und Fach haben werden", so Nemsic.

Ziel

Sein strategisches Ziel für den serbischen Markt: "Wir wollen ein guter Dritter sein." Der Plan sei, während des dritten Jahres operativ positiv zu sein. Der serbische Markt sei unterentwickelt, "es geht in einem Markt erst richtig los, wenn der Dritte kommt". 2009 soll die neue serbische Tochter erstmals ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sowie einen positiven Free Cash Flow erwirtschaften. Die für die Investitionen gewährten Steuerbefreiungen in Verbindung mit der Möglichkeit von Verlustvorträgen werden die Steuerlast "vermutlich signifikant reduzieren" und "zu nur minimalen Steuerabgaben über die ersten zehn Jahre führen", teilte die Mobilkom heute mit. Das geplante Aktienrückkauf-Programm und die angekündigte Dividendenpolitik der TA bleiben nach dem Serbien-Einstieg unverändert.

Freude

"Wir freuen uns, einen weiteren Schritt in Richtung Eintritt in den serbischen Telekommunikationsmarkt gesetzt zu haben. Dieser Markt bietet unserer Einschätzung nach attraktive Möglichkeiten, die durch ein positives makroökonomisches Umfeld in Serbien unterstützt werden", so Nemsic. Die Marktdurchdringung bezifferte er mit etwa 65 Prozent, wobei die Marktdurchdringung jedoch nichts über die Reife des Marktes aussage. "Der serbische Markt ist derzeit ein reiner Prepaid-Markt, es gibt keine Bindungen und keine advanced services."

Der Zuschlag für die dritte Lizenz in Serbien erfordert laut Nemsic eine ganz andere Strategie als es bei der Übernahme des zweiten Netzbetreibers der Fall gewesen wäre. Das sei jetzt ein Greenfield-Projekt, was große Vorteile habe, weil man die Synergien der Gruppe nützen könne, aber auch die Vorarbeiten, die im Hinblick auf Mobi63 geleistet worden seien.

Dämpfer im Sommer

Im Sommer hatte die TA bei ihrer Südosteuropa-Expansion einen Dämpfer erlitten, nachdem sie bei der Versteigerung des serbischen Mobilfunkers Mobi63 der norwegischen Telenor und in der Slowakei bei der Vergabe der dritten Handylizenz der spanischen Telefonica unterlegen war. Die Mobi63 wäre äußerst teuer geworden, "daher haben wir auch die Handbremse gezogen", sagte Nemsic. "In der Slowakei sind wir leider nicht zum Zug gekommen, aber solche Gelegenheiten wird es immer wieder geben."

Bosnien

Der Fokus soll künftig neben Serbien auch auf Bosnien liegen. In Bosnien strebt die Telekom Austria die Übernahme der Telekom Srpske an, der Telekom-Gesellschaft des serbischen Landesteils von Bosnien-Herzegowina. 65 Prozent der Telekom Srpske stehen zum Verkauf, die Frist für verbindliche Angebote wurde vor wenigen Tagen bis zum 20. November verlängert. "Wir werden aller Voraussicht nach ein Angebot legen", kündigte der TA-Chef an. Man behalte sich aber vor, dies bis zum 20. November zu entscheiden.

Die Mobilkom Austria-Gruppe hat im In- und Ausland insgesamt 9,46 Mio. Handykunden (per Ende Juni). 60 Prozent des TA-Umsatzes entfielen im ersten Halbjahr 2006 auf den Handybereich, 63 Prozent der Handykunden entfallen mittlerweile auf die Auslandstöchter. Die TA-Tochter will nach früheren Angaben der "größte Betreiber zwischen Bodensee und dem Schwarzen Meer" werden.

Mobilkom war der einzige Bieter

Die Mobilkom war der einzige Bieter für die Lizenz in Serbien gewesen, die für einen Zeitraum von 10 Jahren gewährt und nach Ablauf automatisch um weitere 10 Jahre verlängert wird. Die Mobilkom muss den Betrieb laut Lizenzbedingungen innerhalb von sechs Monaten nach Lizenzzuteilung aufnehmen und binnen 12 Monaten 20 Prozent der Bevölkerung sowie die drei größten Autobahnen abdecken. 50 Prozent der Bevölkerung und sämtliche Autobahnen müssen binnen von 24 Monaten abgedeckt werden, 80 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent des Landes innerhalb von 48 Monaten. (APA)

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