Publikumsräte präsentierten Forderungs­katalog für Programmreform

29. November 2006, 20:43
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Konstruktives Gespräch mit Wrabetz - Publikumsrat für Karriere- und Wirtschaftsmagazin sowie Familienratgeber

Der designierte Generaldirektor des ORF, Alexander Wrabetz, hat sich und sein für den Sender geplantes Reformvorhaben am Montag dem ORF-Publikumsrat bei einer nicht-öffentlichen Sitzung in Wien gestellt. Der Dialog mit dem künftigen ORF-Chef sei konstruktiv und freundlich verlaufen, habe aber zumindest für die Publikumsräte keine Neuigkeiten ergeben, konstatierte Andreas Kratschmar, Vertreter der ÖVP. Der Publikumsrat nützte die Gelegenheit als Interessensvertretung der Seher und Hörer hinsichtlich der Programmreform eine Reihe konkreter Forderungen zu platzieren.

"Tief greifende Erneuerungen"

Wie bereits vor seiner Wahl im August angekündigt, tritt Wrabetz für "tief greifende Erneuerungen" vor allem bei der Information ein - die Reform soll rund um Ostern in Kraft treten. Der Publikumsrat äußerte Bedenken, dass die strategischen Pläne des derzeitigen Kaufmännischen Direktors "zu sehr werbegetrieben" sein könnten. Es sei daher laut Kratschmar ein Anliegen des Rates, dass künftig nicht nur in die Kernzonen investiert wird und die Programmressourcen nicht von den Randzonen abgezogen werden. Außerdem sprach sich der Publikumsrat zwar für ORF-Spartenkanäle als zusätzliches Angebot aus, warnte aber davor, das Vollprogramm zu Gunsten der Nischensender "auszuräumen".

Karrieremagazin, Wirtschaftsberichterstattung, Familienratgeber

Konkret wünschten sich die Räte künftig ein Karrieremagazin für die "moderne Arbeitswelt und junge Zielgruppen" sowie eine deutlich ausgebaute Wirtschaftsberichterstattung mit Wirtschaftsmagazinen zum Beispiel zum Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa. "Hier herrscht deutlicher Handlungsbedarf", attestierte Kratschmar. Ein moderner Familienratgeber findet sich ebenfalls auf der Forderungsliste der Räte.

Ausbau der cross-medialen Angebote

Hinsichtlich der Berichterstattung trat der Publikumsrat generell für mehr Distanz zum Berichterstattungsgegenstand wie etwa Sport oder Kultur ein. Im Online-Bereich gelte es, die Qualität der Berichterstattung zu heben. orf.on müsse mehr Inhalte anbieten und so zum "one-stop-shop" für Content werden. Schließlich müssten vor allem die cross-medialen Angebote ausgebaut werden. In Sachen Markenstrategie warnten die Räte vor einer Schwächung der Marke FM4 durch Kommerzialisierung.

Nachdem Wrabetz seinen Job als ORF-Chef erst mit Jänner antritt, konnten die Publikumsräte am Montag lediglich Wünsche deponieren. Empfehlungen an die Geschäftsführung hinsichtlich der Programmreform kann das 35-köpfige Gremium demnach ab kommenden Jahr äußern. "Wir haben den Eindruck bekommen, dass Wrabetz an einem Dialog mit dem Publikumsrat interessiert ist - und wir werden uns sicher kräftig einmischen", sagte Kratschmar. (APA)

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    foto: derstandard.at/scholz
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