Leben auf Kredit

9. November 2006, 12:50
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Die Ressourcen der Erde sind rein rechnerisch seit Oktober aufgebraucht – unser Leben im Übermaß am Beispiel Ernährung

Bereits heute wären zumindest 1,25 Planeten erforderlich um den Bedarf der Menschheit nachhaltig zu befriedigen. Und Industrieländer belasten die Natur dreimal mehr, als ihnen im weltweiten Durchschnitt zur Verfügung steht. Die spürbaren Folgen des globalen Raubbaues: Erderwärmung, Dürre und Überschwemmungen.

Maßeinheit - der globale Hektar

Der ökologische Fußabdruck ist eine wissenschaftliche Methode, die erfasst, in welchen Bereichen, wie stark und wo der Mensch die Umwelt belastet. "Man kann messen, wie viel Land- und Wasserfläche eine Person, ein Land oder die Welt benötigt um den Ressourcenbedarf zu decken und die Abfälle zu neutralisieren", so Stefan Moidl von der Österreichischen Plattform Footprint.

Unterschätzte Ernährung

Ein großer Anteil der verbrauchten Ressourcen fällt auf die Ernährung: Ein Drittel wird hierzulande für Anbau, Tierhaltung, Verpackung und Transport verbraucht, weiß die Ernährungswissenschafterin Rosemarie Zehetgruber. Nur 20 Prozent davon gehen auf das ökologische Konto von Getreide, Gemüse, und Hülsenfrüchte. "Die restlichen 80 Prozent kommen aus dem Konsum tierischer Produkte wie zum Beispiel Fleisch, Milch und Eier."

Tierische Energiefresser

"Fleisch essen ist ökologisch gesehen ineffizient", so die Ernährungswissenschafterin. Während Fleisch früher tatsächlich wertgerecht und maßvoll der Ernährung diente, hat sich das heute gänzlich geändert: Dem Österreicher werden täglich 1/4 Kilo am Tag serviert. Im Jahr sind das fast 100 Kilogramm. Die ernährungswissenschaftlich empfohlene Menge läge gerade einmal bei 20 Kilogramm im Jahr.

Der hohe Wert des Fleisches liegt vor allem in der Tierfütterung: Für eine Kilokalorie Rindfleisch werden sieben Kilokalorien Getreide, also Futter benötigt. Doch anstatt den Fleischkonsum zu drosseln, wird er immer höher. Und geschätzte dreizehn Prozent landen gar im Müll.

Mehrwert "Bio"

"Zusammengefasst lässt sich für die Ernährung sagen: weniger Fleisch und Wurst, mehr Saisonales kaufen, viel Verpackung und lange Einkauffahrten meiden und vor allem weniger wegwerfen", so Zehetgruber. Aber es gäbe auch noch eine andere Möglichkeit auf Nachhaltigkeit zu achten: "Bioprodukte haben einen weitaus geringeren Energieaufwand in der landwirtschaftlichen Produktion. Vor allem durch den Verzicht auf Mineraldünger und durch das Wegfallen von Tierfutterimporte, wie Soja, ist bei Bioprodukten der CO2 Ausstoß in der Landwirtschaft um 50 bis 60 Prozent geringer."

Fisch für alle gibt es nicht

Der Empfehlung von Ernährungswissenschaftern zweimal die Woche Fisch zu essen, kann Rosemarie Zehetgruber wenig abgewinnen. Nicht weil sie aus gesundheitlichen Gründen etwas dagegen hätte, sondern vielmehr wegen der theoretischen Annäherung: "Man kann den Leuten nicht Sachen empfehlen, die nicht durchführbar sind. 70 Prozent der Fische sind gefährdet oder verschwunden. Diese Ressourcen gibt es einfach nicht."

Umsetzung statt Aufklärung

Sie empfiehlt Omega-3-Fettsäurereiche Nahrungsmittel wie Leinöl, Walnüsse oder heimische Fische und mehr Küchenpraxis statt Gesundheitsinformation: "Die Leute wissen was ungesund ist, ändern aber nichts. Die öffentliche Hand könnte mit besseren Angeboten in den Kantinen vieles umsetzen, was in Kampagnen nur zur Aufklärung dient."

Mit guten Menüs, weniger Fleisch und mehr Obst und Gemüse in öffentlichen Krankenhäusern, Kindergärten oder Kantinen wäre ihrer Meinung nach praktisch mehr erreicht, als mit bunten Foldern und Plakaten.(nia)

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    quelle: lpr /wwf 2006
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