Jüdische Filmwoche spricht heuer französisch

13. November 2006, 17:28
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Festival mit Schwerpunkt Frankreich und Specials zur Affäre Dreyfus und Romy Schneider - Eröffnung mit Österreich-Premiere von "Ne Quittez Pas" - mit Gewinnspiel

Wien - Zum 14. Mal findet heuer die Jüdische Filmwoche in Wien statt, insgesamt 50 Filme sind diesmal von 8. bis 23. November im Votiv-, im Metro-, im Filmhaus- und im De France-Kino zu sehen. Der Schwerpunkt liegt - abgesehen von den amerikanischen Filmen - auf dem französischen Film, der sich besonders mit der Geschichte des Judentums auseinander setzt und gesetzt hat, so die Veranstalter Monika und Frederic-Gerard Kaczek. Zwei Specials sind der Affäre Dreyfus und der Schauspielerin Romy Schneider gewidmet, die Retrospektive zum Werk von Amos Gitai konnte nicht verwirklicht werden.

Eröffnungsfilm: "Ne Quittez Pas" ("Local Call")

Eröffnet wird die Filmwoche mit der Österreich-Premiere der Komödie "Ne Quittez Pas" ("Local Call") von Arthur Joffe. Der Film verweist bereits auf die erste Säule des Frankreich-Schwerpunkts, die zeitgenössischen Filme aus dem Land. "Frankreich hat die größte jüdische Gemeinschaft in Europa", sagte der Zeithistoriker Frank Stern, "in der französischen Kultur gibt es eine jüdische Normalität, von der wir nur träumen können." Im Hauptprogramm finden sich daneben mehrere US-amerikanische, britische und israelische Spiel- und Dokumentarfilme, aus Österreich Ruth Beckermanns Doku "Zorros Bar Mizwa" sowie die Koproduktion "La Memoire des enfants" von Hannes Gellner und Thomas Draschan.

Die Hommage an Romy Schneider habe zuerst Verwunderung hervorgerufen, sei aber leicht begründbar, hieß es seitens Frederic-Gerard Kaczek. "Sie kam aus einer Mitläufer-Familie, was sie als historische Last empfand und was sie sehr geprägt hat." Gegen die Bewältigung dieser Nazi-Vergangenheit habe sie vor allem in ihren französischen Filmen angekämpft, weswegen die Jüdische Filmwoche mit "Der Zug - Nur ein Hauch von Glück", "Die Bankiersfrau" und "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" drei Filme der österreichischen Schauspielerin zeigt, in denen sie jüdische Frauen verkörperte.

Die dritte Säule des Frankreich-Schwerpunkts widmet sich der Rehabilitierung von Alfred Dreyfus vor genau 100 Jahren. In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien entstand eine schöne Reihe mit Stumm-, Dokumentar- und Spielfilmen, die von George Melies' "L'Affaire Dreyfus" aus dem Jahr 1899 bis zum gleichnamigen Film von Yves Boisset aus dem Jahr 1995 reichen. Frank Stern verwies auch auf den deutschen Film "Dreyfus" von 1930: "Warum wird Anfang der 30er Jahre im deutschen Spielfilm ein französisches Thema - noch dazu Antisemitismus - behandelt?" Dies habe vor allem mit dem Bewusstsein zu tun, mit filmischen Mitteln gesellschaftliche Probleme thematisieren zu wollen. Der Reihe komme dadurch durchaus auch aktuelle Relevanz zu, so Stern.

Aktuelle Relevanz hätte auch die Retrospektive zu Amos Gitai gehabt, diese kam jedoch nicht zu Stande. Kunststaatssekretär Franz Morak (V) habe den israelischen Regisseur zwar eingeladen, schließlich aber kein Geld zur Verfügung gestellt, so Kaczek - und das, obwohl die Arbeit schon lange begonnen hatte. "Gitai war sehr betroffen davon", betonte Stern in Bezug auf die derzeitige Situation in Israel. "Und wir waren - gelinde gesagt - entsetzt." Gitai wirft in seinen Filmen einen humanistisch-kritischen Blick auf den Nahost-Konflikt. Die Organisatoren hoffen nun auf mehr Unterstützung durch eine neue, aber erst noch zu bildende Regierung. Kaczek dazu lakonisch: "Die Jüdische Filmwoche stellt sich jedem U-Ausschuss." (APA)

>>>Zum Gewinnspiel
DER STANDARD/Zeitung verlost 5 x 2 Karten für "Zorros Bar Mizwa" von Ruth Beckermann am So, den 12.11. um 19 Uhr im Votivkino.

Jüdische Filmwoche
8. bis 23. November
im Votiv-, Metro-, Filmhaus- und De France-Kino
  • Eröffnungsfilm: "Ne Quittez Pas" ("Local Call")
    foto: jüdische filmwoche

    Eröffnungsfilm: "Ne Quittez Pas" ("Local Call")

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