Zinoba: "Zinoba"

6. November 2006, 14:05
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Fünf Jahre nach dem Ende des Hamburger Deutsch-Rock von Selig kann man deren Geist nachspüren: Auch Zinoba kann selig-machen

"Rotzig" wäre die Antwort gewesen, hätte mich vor zehn Jahren jemand gefragt, wie "Selig" klingt. Rotziger Rock mit "schruffigen" Gitarren und verspielten, nicht unintelligenten Texten aus dem Bauch, die von vor Lebenslust, Freundschaft, Abenteuer, Sex und Trieben triefenden Typen erzählten. Vielleicht hätte sich daraus der Begriff Rotz-Rock entwickelt... wer weiß das schon so genau.

Trotz Eintrocknung wiederbelebt

Der Rotz trocknete aber ein, weil mit der Entwicklung der Band irgendwann Schluss war: Im Jahr 1997 erschien das - abgesehen vom "Best of" 1999 - letzte Album der Hamburger. Fortan wurde solo (Jan Plewka) oder in neuen Formationen (Christian Neander: "Kungfu") am selig-machenden Sound weitergebastelt. Das aktuellste "Projekt" dieser Art nennt sich "Zinoba" und vereint die Selig-"Ex"en Stephan Eggert (Schlagzeug) und Jan Plewka mit dem Gitarristen Marco Schmedtje.

Sanftere Gitarren-Gewitter

Das, was sich noch so "selig" anhört ist aber moderater geworden, die früher spürbare melancholische Wut-im-Bauch-Stimmung ist bei "Zinoba" sozialkritischeren - trauen wir uns nur: erwachseneren - Texten gewichen. Die Gitarren gewittern weniger heftig, aber sie gewittern. (kafe)

  • Jan Plewka (Mitte), singt nicht mehr vom "Arsch einer Göttin" (Selig: hier, 1995), sondern über die "Schieflage der Welt" ("Seid was ihr scheint" auf Zinoba: Zinoba, 2004)
    fotos: wuk

    Jan Plewka (Mitte), singt nicht mehr vom "Arsch einer Göttin" (Selig: hier, 1995), sondern über die "Schieflage der Welt" ("Seid was ihr scheint" auf Zinoba: Zinoba, 2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zinoba: "Zinoba"
    (Four Music 2004)

    Anspieltipps:
    "Seid was ihr scheint", "Verschleppt ins All", "Am Rand der Zeit"

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