Habermas stoppt Fest-Autobiografie

Redaktion, 13. November 2006 12:40

Einstweilige Verfügung gegen Verlag - Rowohlt kündigt Widerspruch an

Hamburg - Der deutsche Philosoph Jürgen Habermas (77) hat beim Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung gegen die Joachim- Fest-Autobiografie "Ich nicht" erwirkt. Dem Rowohlt Verlag wird darin mit einem Ordnungsgeld von 250.000 Euro gedroht und verboten, eine Passage zu verbreiten, die eine vorsätzliche üble Nachrede enthalte, teilten die Habermas-Anwälte am Freitag mit. In einer Passage des Buches des kürzlich verstorbenen Fest wird Habermas als etwa 14-Jähriger in die Nähe des NS-Regimes gerückt.

"Ehrverletzenden Behauptungen"

"Jürgen Habermas wird es nicht hinnehmen, wenn Medien die ehrverletzenden Behauptungen von Joachim Fest weiter verbreiten", erklärten dessen Anwälte. Rowohlt kündigte bereits Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung an. Der kaufmännische Leiter des Verlags, Eckhard Kloos, sagteam Freitag: "Die Einstweilige Verfügung stellt einen erheblichen Eingriff in den wirtschaftlichen Betrieb dar, den wir nicht hinnehmen werden."

Unterlassungserklärung

Bereits Ende Oktober hatte die Ringier Publishing GmbH den Habermas-Anwälten zufolge eine Unterlassungserklärung wegen der Verbreitung der Passage in der Zeitschrift "Cicero" und ehrverletzender Behauptungen abgegeben.

Habermas hatte sich zuvor in scharfer Form gegen den Bericht der Zeitschrift gewandt. Es handle sich um eine Denunziation, "die das durchsichtige Ziel verfolgt, zusammen mit Grass eine unbequeme Generation von Intellektuellen abzuräumen...", schrieb Habermas damals in einer der dpa vorliegenden "Stellungnahme" an "Cicero"- Chefredakteur Wolfram Weimer.

Der "Cicero"-Autor Jürgen Busche setzte sich in seinem Artikel mit einem seit Jahrzehnten kolportierten Gerücht auseinander. Dabei zitiert Busche auch eine Passage aus Fests kürzlich erschienener Autobiografie "Ich nicht", in der Habermas zwar nicht direkt mit Namen genannt wird, aber gemeint sein dürfte. (APA/dpa)

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Grass sieht "Feldzug gegen alle linke Literatur" - auf derStandard.at/Kultur
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16 Postings
RaupeRosenblatt
04.11.2006 17:52
Lesen Sie den Artikel in der "Zeit":

Hans-Ulrich Wehler beschreibt in der aktuellen "Zeit" die Geschichte, und zwar als direkt Betroffener aus erster Hand. Habermas' Reaktion ist vollkommen verständlich, weil ihm da etwas völlig aus der Luft Gegriffenes angedichtet wird.

Melville
04.11.2006 16:23
Welche Art von Literatur darf in Deutschland noch erscheinen?

Maxim Billers "Esra" wurde verboten, obwohl kein Mensch die angeblich betroffenen zwei Frauen kennt.
Die Klaus-Kinski-Biografie von Christian David fing sich eine Einstweilige Verfügung ein, ein Satz musste geschwärzt werden.
Jetzt ist die Autobiografie des verstorbenen Joachim Fest betroffen - und was Habermas kritisiert, war bisher keinem einzigen Rezensenten auch nur die kleinste Bemerkung. Offenbar fand das niemand wichtig.
Dürfen in Deutschland bald nur noch "Harry Potter" & Co. erscheinen, weil jene Bücher, wo der leiseste Hauch von Realität enthalten ist, davon bedroht sind, dass irgendjemandem irgendein Detail nicht passt?

pipi pipifax
07.11.2006 22:21

also, mir waere nicht aufgefallen, dass in dtl. die druckmaschinen still stehen.

was den konkreten fall betrifft, gibt es offensichtlich die berechtigte annahme, dass hier ehrverletzende behauptungen im spiel sind. und das ist nicht unbedingt "realitaet", sondern vielleicht eben gerade das gegenteil. und wenn's denn eine waere, dann muesste sie *bewiesen* werden. so funktioniert das.

bevor sie so allgemein ins blaue jammern, waere es angebracht, sich zu informieren. etwa in dem zeit-artikel, den der poster "rauperosenblatt" oben erwaehnt.

georg alfa
 
06.11.2006 10:42
nur passende zu Weimars Sandalen...;-)

mfg

joey .at
05.11.2006 14:42
themenverfehlung - nicht genügend!

ich denke, dass es wohl gerechtfertigt ist gegen dieses ausmaß an rufschädigung vorzugehen. traurig und erschütternd die reaktion von rowohlt!

mein mikrokosmos
04.11.2006 17:16
haben sie harry potter gelesen? ..

Diplodus bermudensis
04.11.2006 16:31

Im letzten Harry Potter kam ein "prime minister" vor.....

Alfred Offenbach
04.11.2006 13:19
Sieh an; ein zweiter Günther Grass!

Tugendwächter unter sich.

georg alfa
 
06.11.2006 10:45
.....oder ein zweiter Sarkozy, etz....:=))

mfg.

joey .at
05.11.2006 14:47

sie haben keine ahnung, worum es geht, oder?

Zarathustra
04.11.2006 18:16
Ja...ein Skandal...

...wie konnte sich dieser 14-jährige in der Nazizeit aufgewachsene nur keiner Widerstandsbewegung anschließen...ich bin schockiert!

rene prassee
04.11.2006 12:05
ach gott ...

bei den deutschen muss sogar ein 14jähriger ein antifaschist und widerstandskämfer sein ....

Ravi Ravendro
04.11.2006 12:49
Der

momentane Papst hat vielleicht auch etwas dazu zu sagen...

Zarathustra
04.11.2006 18:14
Zur damaligen Zeit wäre Ravi Ravendro...

..auch bei der Hitlerjugend gewesen...sowas jemanden vorhalten ist eine Frechheit..

pipi pipifax
10.11.2006 12:13

zarathustra sollte nicht von sich auf andere schliessen.

Diplodus bermudensis
04.11.2006 16:33

Stimmt. Der ist naemlich desertiert. Gehoeren Sie auch zu denen die das stoert?

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