Brot und Gebäck werden teurer

7. März 2007, 16:04
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Der Mehlpreis steigt in unabsehbare Höhen, die Bäcker schnaufen - die Mehrkosten müssen die Kunden tragen

Die Mehlpreise sind um rund 30 Prozent gestiegen. Österreichs Mühlen und Bäcker wollen die Mehrkosten nicht länger allein schlucken. Experten befürchten einen Wettkampf ums Getreide – Händler beruhigen.

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Wien – Brot und Gebäck werden in Österreich empfindlich teurer. Die Getreidepreise sind heuer deutlich nach oben geschnellt. Mehl durchläuft diesen Herbst die größte Preissteigerung seit der Nachkriegszeit und soll sich weiter verteuern, sagen Experten.

Mühlen und Bäcker sehen sich am Limit. Sie sind nicht bereit, die Mehrkosten länger zu schlucken – Preisverhandlungen mit den Lebensmittelketten laufen.

"Es wird einen Wettkampf ums Getreide geben, er hat bereits begonnen", sagt Michael Bruckner, Geschäftsführer der Marken-Bäcker GesmbH im Gespräch mit dem STANDARD. Das Unternehmen gehört zehn Bäckern, darunter Ströck, Felber, Mann, Ruetz, Sorger und Martin Auer und zählt sich zu den größten Mehleinkäufern Österreichs. Bruckner spricht von Preiserhöhungen "jenseits der 25 Prozent". Getreide sei international zum Spekulationsobjekt geworden. In Österreich heize der Boom an Biomasse die Preise zusätzlich an.

Die Agrana startet nächstes Jahr eine Bioethanol-Anlage in Niederösterreich. Sie braucht für den Betrieb jährlich mehr als 400.000 Tonnen Getreide, und bietet Landwirten gute Abnahmeverträge. Experten gehen davon aus, dass sich die Mühlen künftig mit Tankstellen ums Getreide duellieren.

Geringe Margen bei den Mühlen

"Der Mehlpreis wird weiter in unabsehbare Höhen steigen müssen. Sonst schaut es schlecht aus für die Mühlen", sagt Andreas Pieler, Chef der Assmannmühlen in Guntramsdorf. Eine Verteuerung des Getreides in diesem Ausmaß sei für die Branche nicht vorhersehbar gewesen. "Die Margen der Mühlen sind sehr gering", sagt Thomas Pickl, Geschäftsführer der Tiroler Rauchmühle. Keiner sei in der Lage, die Preissteigerungen intern abzufedern. Das Kursblatt der Landwirtschaftlichen Börse Wien zeigt: Premiumweizen hat sich gegenüber Oktober 2005 von 126 bis 130 Euro auf 148 bis 150 Euro je Tonne verteuert. Der Roggenpreis zog im selben Zeitraum um 60 Prozent an. Preisgünstiger Mahlweizen fehlt derzeit – die Bäcker müssen den Basisrohstoff durch teurere Sorten ersetzen.

Ernst Gauhs, Bereichsleiter bei der RWA, dem Marktführer im Getreidehandel, versteht jedoch die Aufregung nicht. Die Preise seien zwar im Schnitt um 30 Prozent gestiegen, aber nicht höher als vor drei Jahren. "Wir freuen uns, dass die Landwirte wieder mehr Geld bekommen."

Weltweite Engpässe

Auslöser des Preisauftriebs sind einerseits Engpässe beim Roggen. Österreich kann sich aufgrund reduzierter Anbauflächen und der Ernteausfälle nicht mehr selbst versorgen. Weizen wiederum unterliegt dem Spiel des Weltmarktes. Seit 2000 werden weltweit Lager abgebaut, die Ernte ist geringer als der Verbrauch. Starke Anbauländer wie Argentinien satteln auf Soja um, Australien fällt heuer als Exporteur aus. Dazu kommt der steigende Weizenhunger Chinas. "Es gibt heuer einen Big Bang", warnt Bruckner. Die USA erhöhten die Preise, und das schlage auf Österreich durch. "Die Anbauflächen werden weltweit wieder steigen", beruhigt Gauhs. Die Branche werde sich aber langfristig auf schwankende und tendenziell höhere Preise einstellen müssen.

Der Wiener Bäckereifilialist Kurt Mann sieht sich seit erstem November mit um 40 Prozent teurerem Roggenmehl und Preissteigerungen von bis zu 17 Prozent bei Weizen konfrontiert. "Doch es geht nicht nur um die Rohstoffe. Es ist das gesamte Rundherum", sagt Mann. "Unsere Energiekosten etwa steigen ab Jänner gegenüber 2005 um 41 Prozent."

Weitere Preiserhöhungen bis Jahresende

Er habe einzelne Artikel vor kurzem um ein bis drei, teilweise sechs Prozent erhöht. Bis Jahresende sind weitere Anpassungen geplant. Mitbewerber, darunter auch Backriesen wie Haubenberger, Pilz und Fischer ziehen mit. "Die Entwicklung der Mehlpreise ist dramatisch", sagt Großbäcker Hubert Fischer. Steigerungen dieser Höhe seien bisher nie da gewesen. An Preisanpassungen im Handel führe kein Weg vorbei.

Dass den Österreichern der Appetit auf teureres Brot und Gebäck vergeht, glaubt Kurt Mann dennoch nicht. Seine Prognose: "Vielleicht schmeißen die Leut künftig einfach weniger weg." Denn derzeit könnte die Menge an in Wien weggeworfenem Brot den Tagesbedarf aller Grazer decken. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.11.2006)

  • Hartes Brot für die Bäcker: Die Branche sieht sich unter Druck und gibt die Mehrkosten weiter.
    foto: standard/hendrich; collage: beigelbeck

    Hartes Brot für die Bäcker: Die Branche sieht sich unter Druck und gibt die Mehrkosten weiter.

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