"Händegeben wird abgeschafft"

26. Juli 2007, 13:12
318 Postings

Die Winterzeit wird heuer, wenn es nach Gesundheitsministerin Rauch-Kallat geht, zur Schutzmaskenzeit - Heute kommen weiße Mund-Nase-Abdeckungen in den Handel

Wien - In heimischen U-Bahnen und an anderen belebten Orten könnten in diesem kalten Winter japanische Umgangsformen um sich greifen - aber nicht aus Höflichkeit, sondern aus Gründen der Hygiene. Gegen die vom Grippevirus ausgehenden Gefahren gebiete schon der "Common Sense" das Tragen von Schutzmasken, legte sich Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) für eine neue Aktion ihres Ministeriums ins Zeug.

Neue Grußgewohnheiten

Im Fall einer Grippepandemie durch einen neuen, mutierten Erreger - wie er von Experten seit Jahren erwartet wird - sollten darüber hinaus die hierzulande üblichen Grußformeln einer Revision unterzogen werden, ergänzte vor der Presse der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze: "Händegeben wird abgeschafft". Statt dessen sollten dann Wasser und Seife herhalten: Zum "Händewaschen, so oft es geht".

Schutz aus dem Supermarkt

Besagte, von Rauch-Kallat vorgestellte Schutzmasken-Aktion wird ab heute neun Millionen verbilligte Mund- und Nasenabdeckungen auf den Markt bringen. In allen großen Supermärkten des Landes werden dann 20 weiße Schutzmasken à 11,90 Euro käuflich zu erwerben sein. Um mehr als zwei Drittel billiger als preiswerte Antistaubmasken in Baumärkten sonst.

"Es ist uns gelungen, die beiden größten heimischen Schutzmaskenhersteller und den Handel zusammenzubringen und beträchtlichen Preisnachlass zu erwirken. Öffentliches Geld ist keines geflossen." So pries die Ministerin die eigene Initiative, die Österreich als "weltweit erstes Land" der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO entsprechen lassen werde, der Bevölkerung Schutzmasken flächendeckend zur Verfügung zu stellen.

Nachfrage ungewiss

Das heißt: für den Fall, dass die Aktion einschlägt. Zwischen dem "Szenario, dass die Antigrippemasken in den Supermarktregalen liegen bleiben" und dem "Szenario, dass Bauarbeiter und Heimwerker das verbilligte Kontingent ratzeputz aufkaufen" hoffe man auf "eine Reaktion der Mitte", hieß es am Freitag aus dem Gesundheitsministerium.

Erfolgszweifel kommen nicht nur wegen der in Europa bisher ungewohnten Optik auf - oder wegen im Echtzeittest rasch erkannter Probleme wie Atemnot und anlaufende Brillengläser beim Maskentragen. Auch ein "strenger wissenschaftlicher Beweis" für die Ansteckungsvermeidung per Mund-NaseSchutz fehle, konzedierte Kunze. Doch, wie gesagt, hier sei Hausverstand gefragt: "Während der Spanischen Grippe 1918 und 1919 hat praktisch jeder in der Öffentlichkeit einen Mundschutz angelegt."

Tamiflu

Unabhängig von der Supermarktaktion werden auf Kosten der öffentlichen Hand Schutzmasken für Risikopersonal in Krankenhäusern, bei Feuerwehr und Exekutive angeschafft. Hier folge man den heimischen Pandemieplänen, erläuterte die Ministerin. Auch die - bereits im Vorjahr gestartete - Lieferung des bei akuter Grippeerkrankung wirkenden Neuraminidase-Hemmers Tamiflu durch die Pharmafirma Roche für Risikopersonal werde "bis Jahresende abgeschlossen" sein.

Fehlende Unterschrift

Zudem - so Rauch-Kallat - harre im Finanzministerium ein Vertrag mit dem in Österreich ansässigen Pharmaunternehmen Baxter in Sachen Grippeimpfstoff der Unterschrift Karl-Heinz Grassers. Das "fertig ausgehandelte" Abkommen von nicht näher ausgeführtem Finanzvolumen sehe vor, dass Baxter im Fall eines neuen Grippevirus für den österreichischen Bedarf "binnen elf Wochen einen Impfstoff entwickeln und produzieren" solle.

Und zwar "zellenbasiert" nicht auf Hühnereiweißbasis: " Mit der Hühnereiweißmethode braucht es Monate, bis ein neuer Impfstoff existiert", erläuterte die Ministerin. In Sachen Vertragsunterzeichnung machte sie Druck: "Wer zuerst kommt, bekommt auch den Impfstoff zuerst." (DER STANDARD, Printausgabe, bri, 3.11.2006)

Link: schutz-masken.at

Tel-Hotline: 050-555-666
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bundesministerin Maria Rauch-Kallat führt die Schutzmaske vor

  • Ungewohnt: Mund-Nase-Maske
    foto: standard/heribert corn

    Ungewohnt: Mund-Nase-Maske

Share if you care.