Der Wunsch, zu bleiben

3. November 2006, 17:00
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Die meiste Zeit wird damit verbracht, etwas zu verbergen. Patricia M. Nazemetz, Vice President Human Resources Xerox, im Gespräch

Standard: Sie sind selbst seit 1979 bei Xerox. Eine lange Zeit. Haben Sie nie über andere Herausforderungen nachgedacht?
Nazemetz: Ich hatte zuvor bereits für mehrere Firmen, aber immer nur für kurze Zeit, gearbeitet. Ich glaube, ich habe bei meinem Eintritt bei Xerox einfach nur nach Karrieremöglichkeiten gesucht und diese gefunden. Dass ich dann doch 27 Jahre bleiben würde, war nicht geplant.

Standard: Eine Ihrer Aufgaben ist das Leadership-Development. Welche Leader brauchen Unternehmen – auch Ihres – heute?
Nazemetz: Wir hatten seit unseren Ursprüngen im Jahr 1960 mit Joseph Wilson als Gründer immer CEOs mit besonderer Ausstrahlung. Leader, die sehr um die sozialen Belange und die Entwicklung ihrer Mannschaft bemüht waren. Da haben wir jahrelang Standards gesetzt, und heute haben wir einen weiblichen CEO.

Standard: Sie erzählen hier von den viel zitierten „geborenen Führungskräften“. Glauben Sie an diese Fähigkeit – auch als HR-Chefin und Personalentwicklerin?
Nazemetz: Absolut. Auch wenn ich denke, dass es eine Mischung aus Naturgegebenem mit Erlerntem sein muss. Was ich als Personalentwicklerin tue, ist, dass ich die zukünftigen Führungskräfte auch als solche identifiziere und diese in bestimmten Bereichen weiterentwickle. Besonders einfach ist das, wenn das Unternehmen durch schwierige Zeiten geht, wie auch wir das getan haben. Hier zeigen sich die wahren Führungsqualitäten.

Standard: Welche sind das Ihrer Ansicht nach?
Nazemetz: Allem voran steht der Mut, Entscheidungen zu treffen, Risiko zu nehmen und auch Verantwortung sowie Verlässlichkeit. Und natürlich auch die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen.

Standard: Und diese Entwicklungsprogramme werden weltweit eingesetzt? Gibt es keine zu großen kulturellen Unterschiede?
Nazemetz: Wir haben das Konzept vor dem Hintergrund eines global agierenden Unternehmens mit multikulturellen Teams gestaltet. Da gibt es in Wahrheit mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede. Und wir haben jetzt ein durch und durch internationales Management-Team. Auch das hat uns smarter für das Business gemacht. Das, worauf Sie ansprechen, ist vielmehr, wie die Mitarbeiter sich vorstellen, dass ihre Leader sein sollten. Deshalb suchen wir nur Menschen, die die Fähigkeiten haben, auf diese Erwartungen einzugehen.

Standard: Bei aktuellen Umfrage zum Image von US-Unternehmen unter Österreichs Studenten fiel auf, dass „Work-Life-Balance“ ein zentrales Thema ist. Was halten Sie davon?
Nazemetz: Ich denke, dass diese Generation das Arbeitsleben ihrer Eltern beobachtet hat und denkt, dass sie nicht dieselben Fehler machen wollen. Es ist wichtig, in einem respektvollen Umfeld einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, aber auch die Freizeit in vollen Zügen zu genießen.

Standard: Was werden die größten Herausforderungen für Unternehmen in Zukunft sein?
Nazemetz: Wir müssen lernen, uns das Vertrauen unserer Mitarbeiter jeden Tag von Neuem zu verdienen. Sie müssen den Wunsch haben, mit angebotenen Entwicklungschancen bleiben zu wollen. (Heidi Aichinger, Der Standard, Printausgabe, 4./5.11.2006)

ZUR PERSON: Patricia M. Nazemetz ist seit 1979 für den Konzern Xerox (Conneticut) im Human Resource Bereich tätig und stieg im Jahr 1999 zur Vice President Human Resources auf. Sie studierte Mathematik und Philosophie in New York.
  • Unternehmen müssen sich das Vertrauen ihrer Mitarbeiter verdienen, sagt Patricia Nazemetz, weltweite HR-Chefin Xerox.
    foto: christian fischer

    Unternehmen müssen sich das Vertrauen ihrer Mitarbeiter verdienen, sagt Patricia Nazemetz, weltweite HR-Chefin Xerox.

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