"Babyklappe" und anonyme Geburt

4. Juli 2000, 13:17

Ab 2001 in der Steiermark möglich

Graz - In der Steiermark wird ein Modellprojekt der Caritas vorbereitet, das ab 2001 sowohl die "Babyklappe" als auch die Möglichkeit der anonymen Geburt beinhaltet. Ein diesbezüglicher Grundsatzbeschluss wurde am Dienstag im Landtag gefasst.

Eine Reihe von Kindesweglegungen und -tötungen in Österreich waren der Anlass, dass sich der steirische Landtag mit diesem Problem befasste. Wie auch in Wien wurde zunächst die Einrichtung einer Babyklappe nach Hamburger Muster überlegt, die Mütter in extremen Notlagen ermöglichen soll, ihr Neugeborenes anonym und straflos abzugeben.

Anonyme Geburt bislang nicht möglich

Als zweites Element soll in dem von der Caritas betreuten und mit Landesmitteln vorbereiteten Modellprojekt eine Stelle für eine anonyme Geburt geschaffen werden. Eine derartige Einrichtung gibt es noch nirgendwo. Ob dies in einem Spital oder dezentral in Beratungsstellen mit Hilfe von Hebammen passieren soll, ist noch nicht klar. Jedenfalls sollte der Zugang niederschwellig und möglichst breit sein.

Die SPÖ reklamierte in den Beschluss noch eine vorgelagerte rechtliche Prüfung hinein. Tatsächlich sei die rechtliche Situation sehr kompliziert, bei der anonymen Geburt seien zahlreiche behördliche Stellen befasst, es gebe eine gesetzliche Anzeigepflicht wegen Im-Stich-Lassen eines unversorgten Kleinkindes, und die Finanzierung der Betreuung müsse auch sichergestellt werden, so räumt Landtagsabgeordnete Walburga Beutl (V) ein, die das Vorhaben im Namen von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic vorantreibt.

Warnung vor Missbrauch

"So sehr Hilfe im Vordergrund steht, müssen wir aufpassen, dass diese Einrichtungen nicht missbraucht werden", ist sich Beutl der heiklen Aufgabe bewusst. Für sie muss auch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen - etwa Prävention und Erleichterung der Adoption - mit der Einrichtung von Babyklappe und anonymer Geburt Hand in Hand gehen. (APA)

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