"Nicht wie, sondern was gelernt wird ist wichtig"

18. September 2007, 10:56
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AQA-Chef Alexander Kohler nennt im derStandard.at- Interview Kriterien für einen sinnvollen StudentInnenvergleich

Den geplanten PISA-Test für Studierende hält Alexander Kohler, Geschäftsführer der Österreichischen Qualitätsagentur (AQA), dann für sinnvoll, wenn er als Feedback für Unis dient. Verglichen werden sollten die einzelnen Studienrichtungen untereinander, von einer europaweiten Vereinheitlichung des Hochschulwesens rät er allerdings ab.

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derStandard.at: Die OECD plant einen PISA-Test für Studierende. Wie sinnvoll ist so eine Studie, kann das Wissen der Studierenden überhaupt international verglichen werden?

Kohler: Wenn hinterfragt wird, was gelernt wird, dann macht so ein Test durchaus Sinn. Nicht wie, sondern was gelernt wird muss verglichen werden. Ein internationaler Vergleich muss sich auf das Wissen selbst konzentrieren und nicht darauf, wie das Wissen vermittelt wurde.

derStandard.at: Wie sollte dieser Vergleich aussehen? Soll nach Allgemeinwissen oder Fachwissen gefragt werden?

Kohler: Das Wissen sollte fachbezogen verglichen werden, das heißt, dass nur die Studienrichtungen untereinander verglichen werden. Hierbei sollten aber nur Kernkompetenzen und keine Spezialisierungsgebiete von den Studierenden abgefragt werden. Ein Gesamtvergleich aller Studierenden würde keinen Sinn machen.

derStandard.at: Wofür kann das Ergebnis des Vergleichstests herangezogen werden? Soll es den Universitäten dienen, soll es zu einer Vereinheitlichung des Hochschulwesens der OECD-Länder führen?

Kohler: Eine Vereinheitlichung sollte keinesfalls das Ziel dieser Studie sein! Trotz der Internationalisierung ist es wichtig, dass Spezialisierungen und Schwerpunkte in Studienrichtungen erhalten bleiben.

Die ersten Adressaten dieser Studie müssen die Universitäten selbst sein. Der Vergleich ist erst dann sinnvoll, wenn die Unis ihn als Feedback heranziehen können. Denn die Unis sind ja schließlich selbst verantwortlich für die Lehrpläne. Außerdem muss die Methode der Studie mit den Unis abgesprochen werden, damit sie sich mit dem Ergebnis identifizieren können.

derStandard.at: Wird die AQA an der Studie mitwirken, falls es soweit kommen sollte?

Kohler: Ich habe selbst noch keine Details zu dieser Studie, also kann ich auch noch nicht sagen, wer daran mitarbeiten wird. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass die AQA sich an einzelnen Bereichen, wie zum Beispiel Studienbedingungen, beteiligen wird, falls diese Teil des Vergleichs sein werden. Generell halte ich die Idee einer PISA-Studie für Studierende sinnvoll, da sie eine Ergänzung zu den bisherigen Hochschulrankings ist und zur Qualitätssicherung beitragen kann. (Die Fragen stellte Elisabeth Oberndorfer)

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Austrian Agency for Quality Assurance - Die Österreichische Qualitätsagentur ist eine unabhängige Agentur zur Evaluierung und Qualitätssicherung im Hochschulbereich.
Im Frühjahr hat die AQA das Hochschulranking 2006 veröffentlicht.
  • AQA-Geschäftsführer Alexander Kohler kann sich vorstellen, an der Vergleichsstudie mitzuwirken.
    foto: aqa

    AQA-Geschäftsführer Alexander Kohler kann sich vorstellen, an der Vergleichsstudie mitzuwirken.

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