Lounge Chair nebst Haustier

7. November 2006, 15:16
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Start der Wiener Internationalen Kunst- und Antiquitätenmesse im revitalisierten Palais Niederösterreich

Wien - Ein roter Teppich, das hat schon was. Ein solcher ziert dieser Tage partiell die Trottoirs der Palais Ferstel und Niederösterreich. Der Anlass ist die Wiener Internationale Kunst- und Antiquitätenmesse, bei der noch bis 5. November 40 Aussteller Quartier bezogen haben. Im revitalisierten Palais Niederösterreich wird man von präkolumbianischen Keramiken der Galerie Chavin empfangen, vorbei an Wiedergeburtsidolen stößt man auf (Gebhart) Blazek & (Harald Bichler) Rauminhalt.

Nach erfolgreichen Messeauftritten in London ("The Hali Fair") testet man die stimmungsvolle Design-Textilien-Inszenierung nun erstmals in Österreich: Der Eames Lounge Chair thront hier als Ikone der Bequemlichkeit, begleitet von Serge-Mouille-Leuchten, Auböck-Tischen (2400-3800 ¬), usbekischen Teppichen und marokkanischen Textilien. Dass archaische Pracht keine Frage der Größe ist, belegt die Grazer Galerie Primitiv Gangl: Sie zeigt sich bei Ritualbronzen im Nippes-Format (280- 650 ¬) ebenso wie bei Hauseingangsbrettern aus Neu-Guinea in Surfbrett-Gestalt (14.000 ¬). Das Erdgeschoß beansprucht damit ein Sammelgebiet, das vor allem Junge anspricht. Ins Obergeschoß lockt Arriviertes: Bei Thomas Knoll das meditative Ensemble eines Betstuhls und eines 1699 datierten Kerzenhalters mit geschnitzter Madonna in Putti-geziertem Wolkenkranz (25.000 ¬). Hier wechselten am ersten Wochenende Silber, Kleinmöbel und französisches Jugendstilglas ebenso den Besitzer wie ein Porträt Friedrich von Amerlings.

Für Verehrer österreichischer Malerei des frühen 20. Jahrhunderts empfiehlt sich der Pilgergang zu Schütz Kunst & Antiquitäten: Anziehungspunkt sind Blumenbeete im Park von Grafenegg, gemalt von Olga Wisinger-Florian. Wimberger kombiniert dagegen exaltiertes der 20er-Jahre - ein paar französische Palmen-Standleuchten aus gehämmertem Messingblech (je 6000 ¬) - mit so genannten Stabellen, volkstümlichen Sitzmöbeln aus der Grenzregion Vorarlberg und Schweiz um 1830 (je 500 ¬).

Im Palais Ferstel herrscht zu ebener Erde Zufriedenheit: Bei Zöchling fand bildende Kunst, darunter Moritz Michael Daffinger, und ein Art-déco Schrank gefallen. Sternat ermöglicht einen virtuosen Einblick in eine indische Tempelanlage (18.000 ¬), 1906 vom ungarischen Maler Gyula Tornai festgehalten. Daneben blüht es an den Wänden (Blumenbilder Hilde Ledvinka ab 3500 ¬) und genießt Oskar Bottolis Sitzender Mann" (8000 ¬) den Blick auf weibliche Reize. Eine Etage darüber kann man sich eine Herde exotischer Haustiere von Ernst Eck zulegen: ab 4200 Euro im zoologischen Asyl Mittmannsgruber. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.11.2006)

  • Hauseingangsbrett: aus Neu-Guinea bei Gangl.
    foto:gangl

    Hauseingangsbrett: aus Neu-Guinea bei Gangl.

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