"manuskripte"-Preis für Elfriede Jelinek

4. Juli 2000, 10:54

Drei Jahrzehnte anhaltende Verbindung zu der Literaturzeitschrift des "Forum Stadtpark"

Graz - Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek erhält den mit 150.000 Schilling dotierten diesjährigen "manuskripte"-Preis des Landes Steiermark. Nach Mitteilung des Landespressedienstes wird die im obersteirischen Mürzzuschlag geborene Autorin in Anerkennung ihrer drei Jahrzehnte anhaltenden Verbindung zu den "manuskripten'" - der Literaturzeitschrift des "Forum Stadtpark" - ausgezeichnet. Viele ihrer Theaterstücke sind in der Publikation erstmals erschienen.

Die Auszeichnung gilt in der Steiermark neben dem Literaturpreis als die wichtigste öffentliche Anerkennung im literarischen Bereich. Zu den PreisträgerInnen der vergangenen Jahre zählten u. a. Barbara Frischmuth, Alfred Kolleritsch, Jürg Laederach, Friederieke Mayröcker und Urs Widmer.

Umstritten

Die im Jahr 1946 geborene Preisträgerin gehört zu den meistbeachteten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen. Ihr Werk umfasst sowohl Lyrik und Prosa als auch Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher. Zentrale Themen ihrer Romane und Bühnenstücke sind die Sexualität, Gewalt und Macht. Wegen ihrer radikalfeministischen Haltung und ihrer Kritik an der nach ihrer Ansicht unzureichenden Aufarbeitung der österreichischen Nazi-Geschichte ist die studierte Organistin bis heute umstritten.

Ihren ersten Gedichtband "Lisas Schatten" veröffentlichte die Autorin 1967. Sowohl ihr Romandebüt "Wir sind Lockvögel, baby" (1970) als auch die Romane "Die Ausgesperrten" (1980) und "Die Klavierspielerin" (1983) begeisterten die Kritiker, stießen aber auch auf heftigen Widerstand. Aufsehen erregte besonders der Bestseller "Lust" (1989). Als ihr "opus magnum" bezeichnet sie selbst "Die Kinder der Toten" (1995). Zu den bekanntesten dramatischen Werken der Autorion zählen "Clara S." (1982), "Burgtheater" (1985), "Krankheit oder Moderne Frauen" (1987), "Wolken. Heim" (1988), "Totenauberg" (1992), "Raststätte oder Sie machen's alle" (1994), "Stecken, Stab, Stangl" (1996) und "Sportstück" (1998).

Im Februar dieses Jahres hat die Autorin ein Aufführungsverbot ihrer Stücke in Österreich ausgesprochen, das laut Jelinek nicht für alternative Theatergruppen gilt. So wurde in Österreich zuletzt im Juni Jelineks Haider-Paraphrase "Das Lebewohl" am Wiener Heldenplatz uraufgeführt. (APA)

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