Kostet nix und ist gerade deshalb gut

4. Juli 2000, 09:09

Vortrag von Alan Cox auf dem Linuxtag - "Noch eine gewisse Daseinsberechtigung" für Windows

Viele Menschen stehen freier Software skeptisch gegenüber: Wie kann denn etwas gut und zuverlässig sein, wenn es nichts kostet? Es wird doch wohl seinen Grund haben, dass einige Firmen für ihre Programme viel Geld verlangen. Hat auch einen Grund, wird da der Anhänger freier Software antworten, die Firmen wollen Geld verdienen. Über die Qualität der Produkte sage das aber nicht unbedingt etwas aus.

Die freie Software rund um das Betriebssystem Linux hat ihre Wurzeln in den Anfängen des Computerzeitalters. Damals war es unter Programmierern noch guter Brauch, sich auszutauschen, Ideen und Programme mit ihrem Code weiterzugeben, wie Richard Stallman auf dem von 17.000 Interessenten besuchten Linuxtag in Stuttgart vortrug. Stallman gründete 1985 die Free Software Foundation. Sie hat ihren Schwerpunkt damals wie heute im Internet - auch wenn sich das einstige Netz zum akademischen Austausch inzwischen dramatisch verändert hat.

Ständig verbessert

Die freien Programme, die dort verwendet werden, sind gerade dadurch, dass sie allen Entwicklern offen liegen und von ihnen ständig verbessert werden, so zuverlässig, dass viele Online-Firmen ihnen bei der Abwicklung von kritischen Geschäften vertrauen. Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft hat gerade in diesem Bereich Linux und die freie Software als Gefahr für die eigene Stellung erkannt, zumal Markforschungsfirmen Linux in den kommenden Jahren große Zuwächse vorausgesagt haben.

Linux ist also in einigen Bereichen schon etabliert, hat in anderen aber sicher noch einige Nachholbedarf. Ein Grund dafür, dass dies wohl auch noch einige Zeit so bleiben wird, liegt an wesentlichen Unterschieden in der Herstellung von geschützter kommerzieller und freier Software, die Alan Cox in Stuttgart erläuterte. Cox ist einer der Entwickler des Programmkerns von Linux, des so genannten Kernels.

"Freie Software kommt eigentlich immer zu spät"

"Freie Software kommt eigentlich immer zu spät", sagte Cox. Denn sie sei fast immer eine Reaktion auf einen Mangel. Es gibt ein Problem, und ein paar Programmierer, zumeist zwei bis drei Leute, beschließen, ihn zu beheben. Dieser Aspekt ist für Endanwender, die nicht selbst programmieren können oder wollen, sicher wichtig. Denn es kann durchaus sein, dass es für das, was sie brauchen, in der freien Software noch nicht das Programm gibt, was sie suchen.

Dies trifft zum Beispiel für die Textverarbeitung zu, bei der Microsoft Word den Standard gesetzt hat. Das Programm ist relativ einfach zu bedienen und in irgendeiner Version auf den meisten Computern zu Hause. Es gibt in der freien Software Textprogramme, die zum Beispiel bei der Erstellung von Examensarbeiten bessere Ergebnisse als Word liefern, aber es fehlen noch Programme, die bei alltäglichen Arbeiten wie dem Schreiben eines Briefs ähnlich einfach zu bedienen sind und die auch mit den Dateiformaten von Microsoft umgehen können.

"Noch eine gewisse Daseinsberechtigung" für Windows

Aber das ändert sich rasch. Auf dem Linuxtag zu sehen waren schon die ersten und zum Teil weit gediehenen Entwürfe für Büroprogrammpakete wie KOffice. Es wird wahrscheinlich zusammen mit der Benutzeroberfläche KDE 2.0 im Herbst herauskommen. Auch das Gnome-Projekt arbeitet an ähnlichen Produkten. Und wer nicht unbedingt auf freier Software besteht, aber trotzdem mit Linux arbeiten will, hat mit StarOffice, WordPerfect Office und Applixware mindestens drei Programmpakete zu Verfügung, die auch sehr gute Import- und Exportfilter haben und die Arbeit mit Microsoft-Dateiformaten leicht machen.

Ein weiterer Bereich, in dem Windows "noch eine gewisse Daseinsberechtigung hat", wie Linux-Buchautorin Stefanie Teufel sagte, sind sicher Spiele. Die meisten Hersteller setzen hier natürlich auf das Betriebssystem Windows. Aber es gibt inzwischen auch Spiele für Linux, mit stetig wachsender Zahl. Bis das freie Betriebssystem Windows in allen Bereichen ersetzen kann, wird es noch etwas dauern. Weshalb auch Linuxerin Teufel rät, Windows ruhig noch etwas auf dem Rechner zu lassen. (APA)

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