Gewerkschaft und Dachverband einigen sich auf Uni-Kollektivvertrag

2. März 2007, 11:26
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Erstmals können ProfessorInnen bei schlechter Evaluierung gekündigt werden

Wien - Fast drei Jahre nach Inkrafttreten des neuen Universitätsgesetzes (UG) am 1.1. 2004 hat es einen Durchbruch in den Verhandlungen um einen Kollektivvertrag (KV) für Universitäts-Bedienstete gegeben. Gewerkschaft und Dachverband der Universitäten haben sich unter anderem auf ein neues Laufbahnmodell für das wissenschaftliche Personal auf Basis des Angestelltenrechts geeinigt. Dieses ermöglicht ein durchgängiges Laufbahnmodell für Uni-Lehrer, sieht einen erweiterten Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer vor und ermöglicht eine Kündigung auch von Universitätsprofessoren bei schlechter Evaluierung.

Am "tenure track" orientiert

Bei dem Karrieremodell habe man sich stark am amerikanischen "tenure track" orientiert, betonte der Vorsitzende des Dachverbands und Rektor der Universität Linz, Rudolf Ardelt, gegenüber der APA. Eine typische Karriere könnte dann etwa mit einer Doktorandenstelle beginnen, von der man sich für eine Laufbahnstelle bewerben kann, so der Vorsitzende der Hochschullehrer-Gewerkschaft, Richard Kdolsky. Damit verbunden ist eine mit der Uni-Leitung abgeschlossene "Qualifikationsvereinbarung": In dieser wird festgelegt, was der Kandidat in einem Zeitraum von bis zu sechs Jahren erreichen muss, etwa den PhD-Grad plus eine bestimmte Anzahl an Publikationen, eine Habilitation, die Entwicklung einer wissenschaftlichen Methode oder im technischen Bereich die Ziviltechnikerprüfung, so Kdolsky.

Für die Zeit dieser Qualifikationsvereinbarung erhält der Stelleninhaber eine unbefristete Anstellung als "assistant professor", während der die Universität auf die Kündigungsmöglichkeit verzichtet. Anschließend wird überprüft, ob die Vereinbarung erfüllt wurde: Ist dies nicht der Fall, kann die Universität den Nachwuchswissenschafter jederzeit kündigen. Bei Erfüllung wird er "associate professor" und damit fix angestellt. Eine Kündigung ist dann nur mehr bei zweimaliger negativer Evaluierung möglich. Ziel ist es laut Ardelt, dass die Nachwuchswissenschafter möglichst früh zum "associate professor" werden.

Die Stelle eines deutlich besser bezahlten "full professors" bleibt dagegen weiter mit einer Berufung verbunden. Auch der "full professor" kann nach zweimaliger negativer Evaluierung seiner Lehr- und Forschungsleistungen gekündigt werden. Evaluiert wird spätestens alle fünf Jahre.

Schutz für Ältere

Daneben gibt es noch eine Schiene für "Systemerhalter", so genannte "Senior Scientists" oder "Senior Artists". Als Beispiele nennen Kdolsky und Ardelt etwa Sprachlehrer, Musiklehrer, Laborbetreuer bzw. einen Oberarzt, der keine wissenschaftliche Karriere macht, aber als Spitals-Oberarzt gebraucht wird. Sie sind von der Laufbahnstufe her in etwa mit den Akademikern des allgemeinen Uni-Personals vergleichbar.

Ähnlich wie im "normalen" Angestelltenrecht gibt es auch an den Unis erweiterte Schutzregeln für ältere Arbeitnehmer. Arbeitnehmer über 50, die zehn Jahre an der Uni sind bzw. Über-45-Jährige mit mehr als 15 Dienstjahren sowie Arbeitnehmer mit mehr als 20 Jahren an der Uni können nur aus bestimmten Gründen gekündigt werden.

Durch den neuen KV soll das Angestelltenrecht an den Unis Einzug halten. Der KV soll für alle seit dem 1. Jänner 2004 neu eingetretenen Mitarbeiter gelten, die derzeit nach dem Vertragsbedienstetengesetz, allerdings ohne einheitliche Regelungen, beschäftigt sind. Ihre Dienstverträge werden umgeleitet. Für alle anderen gibt es eine Optionsmöglichkeit.

Ausständig sind bei den KV-Verhandlungen noch eine Einigung über Arbeitszeitregelungen, Mehrleistungen und Gehaltsfragen. Mit einem endgültigen Abschluss des KV rechnen die Verhandler bis März 2007. (APA)

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