Stahlhartes Ringen um die Gewinne der Stahlindustrie

2. November 2006, 23:00
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Zum vierten Mal verhandelten am Donnerstag Arbeitgeber und Gewerkschafter um die Kollektivvertragserhöhung

Wien – Am Donnerstag kamen die Sozialpartner zum vierten Mal zur Herbstlohnrunde der Metaller zusammen. Nach dem letzten Treffen vor zwei Wochen war die Stimmung diesmal deutlich abgekühlt: Die Gewerkschafter rund um Erich Foglar (Metallgewerkschaft) und Karl Proyer von der Privatangestelltengewerkschaft (für die Industriean gestellten) haben zahlreiche Betriebsversammlungen hinter sich, in denen die Arbeitnehmer deutlich zum Ausdruck gebracht hätten, dass ihnen das Gebotene zu wenig ist.

Geboten haben Leitz-Chef Hermann Haslauer und Christoph Hinteregger (Doppelmayr) eine Ist-Lohnerhöhung um 2,3 Prozent und eine Einmalzahlung, mit der die Entgelte aufs Jahr gerechnet um rund 2,8 Prozent gestiegen wären, wie es aus Arbeitgeberkreisen durchsickerte (der Standard berichtete).

Das war der Gewerkschaft zu wenig. Nicht so sehr, dass es nur 2,8 Prozent Prozent waren, sondern dass "das Angebot kein Nachhaltiges ist´", wie es Proyer ausdrückte. Die Konjunktur laufe wie am Schnürchen und die Arbeitnehmer hätten ein Recht, an den Rekordgewinnen der Branche teilzuhaben.

Gespalten wie die Branche

Die besondere Schwierigkeit: Die Arbeitgeber sind gespalten wie die Branchen. Stahlproduzenten wie Voest und Böhler schreiben Rekordgewinne und könnten sich einen höheren Abschluss leisten. Die Metallverarbeiter leiden unter hohen Rohstoff- und Stahlpreisen, die sie nicht eins zu eins auf ihre Kunden überwälzen können, und verlangen daher einen moderaten Abschluss. Ohne Einigung sind weitere "Protestmaßnahmen" programmiert. Wie schon in den Runden davor rechnen aber alle auch heute neuerlich mit einer zähen Nachtsitzung. 2004, als ebenfalls vier Sitzungen notwendig gewesen waren, war der Einigung in der letzten Runde ein 22-stündiger Verhandlungsmarathon vorangegangen.

Eine fünfte Verhandlungsrunde hat es bei den KV-Verhandlungen für die Metaller noch nie gegeben. Erschwert werden die heurigen KV-Verhandlungen durch die stockenden Gespräche zur Regierungsbildung zwischen SPÖ und ÖVP. Sollte es tatsächlich zu Neuwahlen kommen, steige der Druck auf beiden Seiten, sich für ihr Klientel einzusetzen.

Bereits bei der letzten Runde ausgeklammert wurde der ursprüngliche Wunsch der Arbeitgeber nach mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit und einen längeren Durchrechnungszeitraum für die Überstunden. Das würde Zuschläge ersparen, die man lieber als betriebliche Gewinnanteile auszahlen würde. Demnach sollte überhaupt nur ein Teil der Lohnerhöhung fix vereinbart, der Rest als Gewinnbeteiligung ausbezahlt werden.

Darauf reflektierten die Arbeitnehmer nicht, weil die Verteiloption, bei der ein Teil der Lohnsumme innerbetrieblich verteilt werden konnte, zuletzt nur mehr von 20 Betrieben in Anspruch genommen worden sei.

Rein rechnerisch würden die Konjunkturdaten einen Dreier vor dem Komma erlauben, zumal die Nettolöhne laut Wifo zuletzt nur marginal gestiegen sind. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.11.2006)

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    foto: standard
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