Im Ajax-Museum verewigter Skandal

4. November 2006, 18:53
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Franz Wohlfahrt hat dem Werfer der Eisenstange längst verziehen, sieb­zehn Jahre nach dem Ab­bruch: "Jugendsünde, hatte Glück im Unglück "

Wien - Franz Wohlfahrt ist in den Tagen vor dem Fußball-UEFA-Cup-Match Ajax Amsterdam - Austria Wien (Donnerstag, 20:45 Uhr, live ORF 1) ein gefragter Mann. Mehr als 17 Jahre nach dem berühmten Eisenstangen-Wurf im ersten und bis dato letzten Europacup-Duell der beiden Klubs reisten sogar extra niederländische Journalistenteams nach Österreich, um das damalige Opfer zu treffen.

"Eine Jugendsünde, bei der ich Gott sei Dank Glück im Unglück hatte", meinte der langjährige Austria- (1981-1996 und 2000-2002) und Stuttgart-Goalie (1996-2000) im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Der 42-Jährige hat dem damals 17-jährigen Übeltäter aus dem Ajax-Fansektor, der heute in Amsterdam als Busfahrer arbeitet, längst verziehen. Weniger Mitleid hatten der Klub und die Justiz, der Werfer wurde auf rund 233.000 Euro Schadenersatz verklagt und zudem mit langfristigem Stadionverbot belegt.

Die legendäre Szene ist auch im Ajax-Museum verewigt, fast jeder Fan des vierfachen Meistercup- bzw. Champions-League-Siegers kennt sie. Wohlfahrt erinnert sich, dass Ajax in beiden Partien der 1. UEFA-Cup-Runde haushoher Favorit war und die Austria völlig in die Defensive gedrängt war. Dennoch gewann man das Hinspiel in Wien 1:0 und glich in der Verlängerung des Rückspiels durch Hannes Pleva überraschend aus - Ajax stand vor dem Out.

Über die darauf folgenden Szenen im alten Ajax-Hexenkessel "De Meer" berichtete der 59-fache ÖFB-Teamgoalie: "Dann flog sehr viel aufs Feld, auch die berühmt-berüchtigte Eisenstange. Feuerzeuge und Schlüssel waren früher fast normal, aber so etwas Großes hatte ich noch nie fliegen gesehen. Ich wurde von der Stange am Rücken getroffen, zum Glück hat der Schiedsrichter gerade auf mich geschaut und die Partie sofort abgebrochen."

Mit "Glück im Unglück" meinte der Kärntner die Tatsache, dass ihn die Stange nicht mit der Spitze, sondern mit der Längsseite traf, Wohlfahrt kam mit einer leichten Prellung am Rücken davon. Die Partie wurde auf dem Grünen Tisch logischerweise mit 3:0 für die Austria gewertet.

Wohlfahrt arbeitet seit Sommer 2006 als Tormanntrainer beim Regionalliga-Ost-Klub Schwadorf und hat sich dort Lust auf mehr geholt. "Es macht Riesenspaß zu sehen, dass sich die Jungen durch meine Tipps verbessern. Das motiviert." Ab Dezember wird er seine Trainerausbildung intensivieren.

Eine Rückkehr zur Austria kommt für die violette Ikone (sechs Mal Meister, fünf Mal Cupsieger mit den Veilchen) aus einem einfachen Grund derzeit nicht in Frage. "Mit mir hat noch nie jemand vom Verein darüber gesprochen. Nicht mal, ob ich Zeugwart werden möchte. Ich glaube nicht, dass die derzeitige Führung auf unsere Generation zurückgreifen würde. Alles mit Nähe Prohaska wird gemieden", so Wohlfahrt, der damit auch langjährige Weggefährten wie Andi Ogris oder Manfred Zsak meint.

Die Austria befinde sich derzeit in einer "schrecklichen Situation". "Es ist sehr viel falsch gelaufen. Jahrelang wurde sehr viel Geld verbraucht, mindestens die Hälfte davon völlig unsinnig." (APA)

Austria spielte am 27. September 1989 mit:

  • Franz Wohlfahrt
  • Ernst Aigner
  • Attila Sekerlioglu
  • Anton Pfeffer
  • Josef Degeorgi
  • Christian Prosenik
  • Manfred Zsak
  • Jewgenij Milewskij
  • Walter Hörmann
  • Ralph Hassenhüttl (Hannes Pleva)
  • Andreas Ogris

    Trainer: Erich Hof

    Ajax spielte am 27. September 1989 mit:

  • Stanley Menzo
  • Peter Larsson
  • Marciano Vink (Ron Willems)
  • Mark Verkuyl
  • Aron Winter
  • Jan Wouters
  • Dennis Bergkamp (Ronald de Boer)
  • Richard Witschge
  • John van 't Schip
  • Pal Fischer
  • Brian Roy

    Trainer: Leo Beenhaker

    • Trainer Erich Hof, Franz Wohlfahrt und Andi Ogris.

      Trainer Erich Hof, Franz Wohlfahrt und Andi Ogris.

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