Der Karlsplatz als "Kunstplatz": Die Wiese ist eröffnet

18. Juni 2007, 17:39
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Nach der Vollendung des Teil Zwei der Metamorphose, als minimalistisch zu bezeichnen, weht nun ein Hauch von Alm

Die Neugestaltung des Karlsplatzes ist vollendet. Nach dem gärtnerischen Aufputz des Resselparks wurde Teil Zwei der Metamorphose zum "Kunstplatz" eröffnet: eine grüne Wiese.


Wien – Nichts als eine Wiese, wohlgemerkt eine saftige Wiese voll unberührten, weich sprießendem Gras, nur notdürftig mit einem Band vor den Fußtritten der Passanten geschützt, die über die frühlingshafte Naturerscheinung im klirrkalten Wind frohlockten: Das war der Gegenstand einer mehr oder minder feierlichen Eröffnung, die am Montag, am Karlsplatz in fröstelnder, aber doch entspannter Eintracht von SP-Umweltstadträtin Ulli Sima und der Wiedner VP-Bezirksvorsteherin Susanne Reichard begangen wurde. Ein kleiner Stand mit bunten Kürbissen diente als Andeutung eines Kürbisfestes, das die Einweihung würdig begleiten und zugleich auf das bevorstehende Halloween-Fest hinweisen sollte, ob der herbstlichen Kälte aber eher wenig Andrang verursacht haben dürfte.

Als "gestalterisch kunstvolle Wiederinstandsetzung" wurde die endgültige Fertigstellung des neugestalteten Karlsplatzes angekündigt, der fortan als "Kunstplatz Karlsplatz" firmieren und damit nachhaltig das Image als verruchter Drogenumschlagplatz ablegen soll. Was dabei herauskam: Eben jene Wiese, genauer gesagt mehrere Grasflächen oder "Parks" westlich der Wiedner Hauptstraße, also rund um die Kunsthalle und auf der Verkehrsinsel vor der Secession – wiewohl es fraglich ist, wie lange die grüne Pracht in diesem Jahr noch zu bewundern sein wird.

Als äußerst minimalistisch könnte man die "kunstvolle Wiederinstandsetzung" bezeichnen: Kein Baum, kein Strauch, kein Bankerl. Ersteres ist volle Absicht – schließlich gehe es, wie schon beim gärtnerischen Aufputz des Resselparks, um bessere Sichtachsen und leichtere Zugänglichkeit; Letzteres ist Nachsicht, denn Bänke werden noch aufgestellt.

Immerhin kamen die Schriftstellerin und Feministin Rosa Mayreder (1858-1938), der Schauspieler und Komiker Alexander Girardi (1850-1918) und die internationale Kunstsprache Esperanto bei der Benennung der Parkflächen zu Ehren. Dem darunter fließendem Wien-Fluss wurde mit reliefartigen Wellen in einem Rasenstück Rechnung getragen. Noch eines muss man den Stadtplanern zugute halten: Durch neue Fußgeher- und Radverbindungen ist es viel einfacher geworden, den Karlsplatz zu überqueren, den nun auch ein Hauch von Alm umgibt. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10./1.11. 2006)

  • Eine saftig grüne Wiese mitten im herbstlichen Wien, im Schatten der Secession: Der neue Karlsplatz.
    foto: standard/fischer

    Eine saftig grüne Wiese mitten im herbstlichen Wien, im Schatten der Secession: Der neue Karlsplatz.

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