Herstory: Astronomin korrigierte Kepler

31. Oktober 2006, 07:00

1650 publizierte Maria Kunitz eine Über-Arbeitung der Rudolfinischen Tabellen der Planetarbewegung - Vorgeworfen wurde ihr die Vernachlässigung ihres Haushalts

Forschende, sogenannte gelehrsame Frauen galten Mitte des 17. Jahrhunderts als absolut verpönt. Und wenn es schon so ein Frauenzimmer gewagt hat, aus der Reihe und damit aus der ihr zugeschriebenen Geschlechterrolle zu tanzen, dann musste sie beweisen, dass sie neben ihrer geistigen Beschäftigung den Haushalt - samt Mann und Kindern - nicht vernachlässigt.

So erging es auch der schlesischen Mathematikerin und Astronomin Maria Kunitz, welche die Rudolfinischen Tabellen der Planetarbewegung von Johannes Kepler korrigiert hatte. Ihr wurde kurioserweise vorgeworfen, tagsüber im Bett zu liegen und dadurch ihren Haushaltspflichten nicht nachzukommen. Denn die nächtlichen Himmelsbeobachtungen, die für ihre Forschungen nötig waren, hätten ihr sicherlich den Schlaf geraubt.

Maria Kunitz publizierte 1650 das astronomische Buch "Urania Propitia", das sie während des Dreißigjährigen Krieges geschrieben hatte. Ohne jegliche Unterstützung finanzieller oder instrumenteller Art, hatte sie sich an die Untersuchung eines der brennendsten wissenschaftlichen Probleme des 17. Jahrhunderts gewagt. Auschließlich auf Handberechnungen angewiesen, gelang es ihr, einige Fehler in den Originalen zu berichtigen. (dabu)

  • Ein Krater auf dem Planeten Venus wurde Maria Cunitia genannt.
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    Ein Krater auf dem Planeten Venus wurde Maria Cunitia genannt.
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