Paukerin und Prügelknabe im Tiroler Landestheater

30. Oktober 2006, 19:24
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In "Love Counts" von Michael Nyman finden eine Mathe-Dozentin und ein Mittelgewichtsboxer zueinander

Menschen mit erotischem Verhältnis zu Zahlen soll es ja geben. Um aber das romantische Potenzial der Bankomatnummer zu heben, brauchte es Love Counts von Michael Nyman. In der Kammeroper finden eine Mathe-Dozentin und ein Mittelgewichtsboxer zueinander. Sie lehrt ihn die Ziffern, er entdeckt ihren Körper als Eselsbrücke. Dass die Geschichte nie kitschig wird, liegt am Libretto (Michael Hastings), von Brigitte Fassbaender mit viel Sprachgefühl ins Deutsche übertragen. Das Orchester badet uns filmreif im Nyman-Sound, die Gesangsparts brechen das instrumentale Pulsieren. Marc Kugel als gealterter Halbstarker gibt den Anti-Champion gleichermaßen räudig wie zart, stimmgewaltig und nuanciert. Jennifer Chamandy, deren Mimik und Gestik die große Bühne bräuchten, wirkt gelegentlich krampfig. Ihr Sopran allerdings verkörpert die Highbrow-Attitüde der Rechenkünstlerin perfekt. Dale Albright inszeniert entlang der Musik. (pen/ DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2006)
Landestheater, 6020 Innsbruck, Rennweg, (0512) 520 74-4. Bis 7. 12.
  • Eine Mathe-Dozentin (Jennifer Chamandy) und ein Mittelgewichtsboxer
(Marc Kugel) finden zueinander.
    foto: landestheater/rupert larl

    Eine Mathe-Dozentin (Jennifer Chamandy) und ein Mittelgewichtsboxer (Marc Kugel) finden zueinander.

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