Bösendorfer braucht wieder Geld

9. November 2006, 16:08
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Die Klavierfabrik braucht für 2006 eine Finanz­spritze in Höhe von 1,5 Millionen Euro, sagen ÖGBler. Die Bawag sieht aber keinen Bedarf

Wien – Fast scheint es zu einem herbstlichen Ritual zu werden: Die verlustträchtige Klaviermanufaktur Bösendorfer, eine Enkel-Gesellschaft der Gewerkschaftsbank Bawag, leidet an Atemnot und braucht auch heuer wieder eine Kapitalspritze von ihrer Großmutter. Konkret geht es um rund 1,5 Millionen Euro, die die Bank ihren verstimmten Klavierbauern für das laufende Geschäftsjahr zuschießen soll.

Beraten wurde über die Geldspritze am vorigen Freitag, an dem Gespräch nahmen neben Bawag-Generaldirektor Ewald Nowotny auch Gewerkschaftschef Rudolf Hundstorfer teil. Die Bawag dementierte die von ihrem Eigentümer ÖGB_kommenden Informationen am Montag allerdings. "Kapitalmaßnahmen sind heuer nicht notwendig. Der Absatz steigt", betonte Bawag-Sprecher Thomas Heimhofer.

Dissonante Töne

Zur Erinnerung: Der damalige Bawag-Chef Helmut Elsner hatte Bösendorfer 2001 um 25 Mio. Dollar (damals: 28 Mio. Euro; mit diesem Betrag hat die Bank Bösendorfer auch in den Büchern) gekauft und vor einem Verkauf ins Ausland "gerettet". Die Geschäfte mit den weltberühmten und hochwertigen Flügeln ließen aber Jahr für Jahr mehr zu wünschen übrig, das "patriotische Kulturinvestment Bösendorfer" (Elsner) kam nie mehr in wohltemperierte Stimmung, die Geschäfte in den USA und in den übrigen Exportmärkten (92 Prozent der Klaviere werden exportiert) dümpeln dahin, eine klare Marketingstrategie in dem Geschäftssegment, in dem die Luft angesichts der Preise der Qualitätsprodukte sehr dünn ist, ist nicht zu erkennen. Schon im Herbst 2005 musste die Bawag Bösendorfer eine Liquiditätsspritze von rund 2,5 Mio. Euro verpassen.

Der Jahresfehlbetrag in der Bilanz 2005 betrug 1,8 Mio. Euro, statt der geplanten 420 Flügel waren in der Fabrik in Wiener Neustadt damals nur 285 gebaut worden. Alles in allem Grund genug für Bankchef Nowotny, die 1828 gegründete Klavierfabrik als Verkaufskandidat ins Schaufenster zu stellen – der Verkauf (es gibt zahlreiche Interessenten) wurde aber verschoben und wird Sache des nächsten Bawag-Eigentümers sein.

Heuer laufe es "besser als 2005", heißt es auch im ÖGB, aber trotzdem produziert Bösendorfer in betriebswirtschaftlicher Hinsicht dissonante Töne. Von den Budgets und Planvorgaben (das Ziel für 2006 war die Produktion von 380 Flügeln und 30 Pianinos) sind die Klavierbauer immer noch entfernt, "von zehn Monaten waren zwei positiv", ist von einem Banker einsilbig zu hören. Das Gerücht, das Weihnachtsgeld für die 190 Mitarbeiter sei noch gesichert, der Rest aber nicht, wird in ÖGB-Kreisen mit einem ausweichenden, aber sehr deutlichen Satz kommentiert: "Bösendorfer geht nicht in Konkurs, die Bawag steht zu ihrem Eigentum." Dass sie von eventuellen Kapitalzuschüssen je wieder etwas sehen wird, gilt als ausgeschlossen, "das Geld muss sie in den Rauchfang schreiben", so ein Involvierter. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10.2006)

  • Nicht mit einer Blumenpracht, wie im Juni beim Gartenwettbewerb auf der Wiener Landstraße, soll Bösendorfer für den Verkauf aufgemascherlt werden, sondern mit Geld.
    foto: standard/christian fischer

    Nicht mit einer Blumenpracht, wie im Juni beim Gartenwettbewerb auf der Wiener Landstraße, soll Bösendorfer für den Verkauf aufgemascherlt werden, sondern mit Geld.

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