86 Tiroler Betriebe in Kooperation

31. Oktober 2006, 06:00
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Das Förderungsprogramm TIC-Net hat 22 Projekte und eine kleine Revolution am Weltmarkt ermöglicht

Ein Tiroler Kleinbetrieb macht mit einem neuen Bindemittel für Diamantwerkzeuge einem französischen Monopolisten Konkurrenz: Dadurch, dass sie zu einem günstigeren Preis ein gleichwertiges Produkt anbieten, das auf umweltschädliches Kobaltmetall verzichtet, werden die JungunternehmerInnen zu einem ernst zu nehmenden Wettbewerber am Weltmarkt.

Möglich wurde die Erfolgsgeschichte der Firma Metall Kofler aus Mils, die seit dem Start der Produkteinführung den Betrieb bereits zwei Mal erweitert hat, durch das Tiroler Förderungsprojekt TIC-Net. Das Programm wurde von der Tiroler Wirtschaftskammer initiiert und von EU und Land Tirol finanziert. Von 2002 bis heute wurden 22 Kooperationen von KMU mit Förderungsquoten von bis zu 75 Prozent unterstützt, um, wie Programmleiter Peter Wörgötter sagt, "den Technologiestandard der Tiroler Betriebe zu erhöhen".

KMU und HTL in einem Boot

Betriebe wurden eingeladen, Kooperationsprojekte einzureichen. Besonders gefördert wurden dabei Kooperationen von zwei oder mehr KMU mit Forschungseinrichtungen (neben Unis und Fachhochschulen auch HTLs), um den Technologietransfer von den Lehrstätten in die Praxis zu ermöglichen. Wer wieviel an Fördergeld erhielt, richtete sich auch nach der Lage des Betriebs: So hatten KMU in aus den Ziel2-Gebieten besonders hohe Chancen auf finanzielle Unterstützung. Aber auch die Anzahl an möglichen neuen Jobs oder die Umweltverträglichkeit des Projekts waren Kriterien.

Die ausgewählten Betriebe wurden nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Beratungsleistungen betraut. Wörgötter beurteilt das Programm als "vollen Erfolg": "In den Betrieben war eine Euphorie da, die Geschäftsführer haben sich persönlich stark engagiert". Verwundert habe ihn, dass die Angst der KMU-Chefs, kooperierende Betriebe könnten zu viel Einblick in Betriebsgeheimnisse bekommen, entgegen anfänglichen Befürchtungen "kaum da war": "Das hat sehr gut funktioniert."

Projekt läuft aus

85 Betriebe kamen durch TIC-Net in den Genuss von Fördermitteln und neuen Impulsen - doch mit Ende des Jahres läuft das Programm aus. "Die EU hat diese Förderschiene in ihren neuen Finanzplan nicht mehr aufgenommen", bedauert Wörgötter. Das erstaunt: Denn vor nicht langer Zeit habe sich ein EU-Kommissar, der mehrere Kooperationsprojekte inspizierte, "hellauf begeistert" gezeigt. Das Land Tirol arbeite nun an einer Nachfolgelösung, die Richtlinien befinden sich laut Wörgötter "in der Ausarbeitungsphase". (mas)

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