Post kauft deutschen Expressdienst

22. November 2006, 14:11
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Schneller als geplant übernimmt die Österreichische Post ihren Partner Transoflex, einen Schnelllieferdienst für Medikamente, Kosmetik und Elektronik

Wien - Die Post ist schneller, als sie zugibt: Vor zwei Wochen hatte Post-Generaldirektor Anton Wais noch gemeint, der angestrebte Kauf von Transoflex werde erst Anfang 2007 unter Dach und Fach zu bringen sein, nun ist der Kauf des deutschen Schnelllieferdienstes bereits fixiert.

Die Post steigt mit 74,9 Prozent bei dem Speziallogistiker ein, der mehr als die Hälfte seiner zuletzt 460 Millionen Euro Umsatz mit Auslieferung und Lagerung von Pharmapräparaten und Medizinprodukten erwirtschaftete.

Den Gesamtwert des Kombifrachtanbieters, der laut Post über 36 Distributionsstellen in Deutschland und ein Logistiknetz in 16 Ländern verfügt, bezifferte Post-Finanzchef Rudolf Jettmar in einer Pressekonferenz am Montag mit 225 Mio. Euro. Über den Kaufpreis sei zwar Stillschweigen vereinbart worden, Wais ließ aber durchblicken, dass es "signifikant weniger als der Firmenwert" sei. Heißt auf gut Deutsch: Die bisherigen Eigentümer, Odewald & Cie. und Alpha bekommen für die in Weinheim ansässige Transoflex deutlich weniger als die Hälfte jenes Betrags, den die Post noch vor dem Börsengang bereit war, zu zahlen. Damals war von bis zu 450 Mio. Euro die Rede gewesen, womit die Portokasse für Zukäufe ausgeräumt gewesen wäre.

"Es bleibt uns weiterhin ein dreistelliger Millionenbetrag für Zukäufe", versicherte Wais. Wie hoch dreistellig, sagte er freilich nicht.

Die Finanzinvestoren Odewald & Cie. und Alpha sollen weiter 25,1 Prozent des deutschen Logistikers halten. Die Post hat aber die Option, das Viertel bis spätestens Mai 2009 zu kaufen. Die von der Deutschen Post nach einem Kartellentscheid pflichtgemäß abgestoßene Transoflex erzielte in den zwölf Monaten bis zum 30. Juni bei 460 Mio. Euro Umsatz ein Betriebsergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Amortisation (Ebitda) in Höhe von 27 Mio. Euro und zählt Hersteller wie Roche, Merck, Pfizer, Beiersdorf und Aventis zu seinen Kunden. Nach der Konsolidierung, die die Post ab 2007 vornehmen will, wird es die um Transoflex vergrößerte gelbe Post auf 2,2 Milliarden Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis von rund 267 Mio. Euro bringen. Die Ebitda-Marge wird durch den Zukauf allerdings von 13,8 auf 12,2 Prozent gedrückt, räumt Wais ein. Man wolle in den Express- und Kombifrachtbetrieb, der weder mit Kurier-Expressdiensten wie DHL, DPD oder UPS vergleichbar ist, noch mit klassischen Spediteuren, investieren (siehe Grafik). Klar sei aber auch, dass Transoflex mit seiner derzeitigen Ebit-Marge von sechs Prozent besser werden müsse.

Mehr Pakete

Insgesamt gewinne die Post aber durch den Zukauf, weil das Geschäftssegment Kurier-Express-Paket (KEP) von 220 auf 680 Mio. Euro Umsatz deutlich größer werde, sagt Wais. Und insgesamt gehe die Abhängigkeit "von der Cash-Cow Brief" zurück, konkret von 76 auf 60 Prozent des Umsatzes; neun Prozent steuert das Filialnetz bei. Im Business-Paket will es die Post binnen Jahresfrist auf rund zehn Prozent Marktanteil bringen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10.2006)

  • Vorstand und Aufsichtsrat der Post AG haben der Übernahme des deutschen Unternehmens bereits zugestimmt.
    foto: trans-o-flex

    Vorstand und Aufsichtsrat der Post AG haben der Übernahme des deutschen Unternehmens bereits zugestimmt.

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