Wer spricht mit bob?

10. Jänner 2008, 17:13
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Hannes Ametsreiter, CMO der Mobilkom, im Interview über "bob", den Konkurrenten Yesss, Zahlenspiele und den Namensstreit

Letzten Monat stand uns der Diskonter Yesss Rede und Antwort. Wie sieht nun der Mitbewerber bob den Wettbewerb am Markt der Billig-Telefonie? Hannes Ametsreiter, Chief Marketing Officer der Mobilkom Austria, nahm Stellung im Gespräch mit Zsolt Wilhelm.

WebStandard: Denken Sie, ist es als Diskonter eine gute Idee, ein "cooles" Image nach außen hin zu tragen? Sollte hier nicht alles über den Preis laufen?

Hannes Ametsreiter: Ich glaube, als Konsument möchte man sich Marken zulegen, auf die man stolz sein kann. Und daher sind wir überzeugt davon, dass es in jedem Fall richtig ist, eine Marke zu entwickeln, die einen immer wieder mit etwas Neuem überrascht. Eine Marke ist wie das Leben - sie muss spannend sein und daher glauben wir, dass die von uns eingeschlagene Richtung stimmt.

WebStandard: Wen spricht bob an?

Hannes Ametsreiter: Wir wollen eine junge Zielgruppe ansprechen und generell Personen, die nicht nachdenken wollen, wenn es ums Telefonieren geht. Dabei liegt unser Fokus ganz klar auf Telefonie und SMS. Alle anderen Angebote sind mit bob nicht gewollt. Also ein eng umgrenztes Angebot, welches das Bedürfnis nach günstiger Telefonie erfüllt.

WebStandard: VoIP und Co. kommen nicht in Frage?

Hannes Ametsreiter: Nein. Die Welt von Multimedia ist A1.

WebStandard: Man munkelt, bob ginge es nicht so gut wie Yesss.

Hannes Ametsreiter: Das munkeln vermutlich die Mitbewerber. Wir haben (bezüglich Kunden) noch keine offiziellen Zahlen herausgegeben. Wir werden das zur richtigen Zeit noch tun. Aber wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung.

WebStandard: Yesss behauptet, das Unternehmen sei von Anfang an profitabel gewesen. Ist das Konzept hinter bob ebenfalls darauf ausgelegt?

Hannes Ametsreiter: Das ist definitiv so ausgelegt. Wenn Sie sich die Kostenstruktur hinter den Angeboten genau ansehen, dann wird ersichtlich, dass bob die schlankste Kostenstruktur hat und das gibt uns auch die Möglichkeit das günstigste Angebot zu erstellen.

WebStandard: Trotzdem ist man 0,1 Cent teurer als Yesss.

Hannes Ametsreiter: Ja, ok. Wir könnten auch diesen Preis noch reduzieren, wenn wir wollten. Aber ich glaube, diese 0,1 Cent sind eher eine Rundungsdifferenz. Wenn Sie Angebote haben, mit denen Sie um 7 Cent oder 6,9 Cent telefonieren, dann sind das top Angebote von beiden Anbietern.

WebStandard: Sind nicht solche Zahlenspielereien gerade bei Diskontern entscheidend?

Hannes Ametsreiter: Auf der einen Seite schon. Auf der anderen Seite müssen Sie hier auch ganz klar für etwas stehen. Wir wollen nicht diejenigen sein, die herum feilschen um 0,1 Cent, sondern wollen das beste Angebot stellen. Und das heißt in dem Fall, dass Sie hier das beste Netz zu einem sehr günstigen Preis erhalten.

WebStandard: Wie weit kann man den Preis noch drücken?

Hannes Ametsreiter: Wenn Sie die Preise innerhalb Europas vergleichen, sind in Österreich jetzt schon die günstigsten Tarife zu finden. Das heißt, der Bewegungsspielraum ist sicherlich eingeschränkt, aber es können im Markt durchaus noch weitere Preissenkungen passieren.

weiter: Frisst bob "be-free" auf? Wie sieht es aus im Namensstreit? Gibt es noch Platz für weitere Mittbewerber?

WebStandard: Bob verwendet dasselbe Netz wie A1. Heißt das jetzt, One-Kunden mit einem 4:0-Tarif erhalten, bei entsprechender Wahl, tatsächlich einen 5:0-Tarif, da A1 und bob über die gleiche "Leitung" kommen?

Hannes Ametsreiter: Nein, Sie haben eine andere Vorwahl und von daher müssten Sie es als eigenes Netz definieren. Technisch gesehen ist das ein eigener Network-Code. Dasselbe gilt auch für unseren Zero-Tarif.

WebStandard: Gibt es noch Platz für einen weiteren Diskonter in Österreich?

Hannes Ametsreiter: Nein.

WebStandard: Sagen Sie das, um potenzielle Mitbewerber zu verschrecken?

Hannes Ametsreiter: Ich glaube, dass es kaufmännisch wenig sinnvoll wäre im jetzigen Moment, bei den sehr günstigen Tarifen, zu starten. Es würde sich vermutlich schlichtweg nicht rechnen.

WebStandard: Es gab auch einmal fünf eigenständige (konventionelle) Mobilfunk-Anbieter.

Hannes Ametsreiter: In der letzten Zeit sind so und so noch einige Neue eingestiegen, die aber Zielgruppen spezifisch agieren. Für solche Angebote ist, glaube ich, fast immer ein Platz. Aber für einen breiten Anbieter, der ein entsprechendes Volumen erreichen will, sehe ich keinen Platz mehr.

WebStandard: Frisst bob "be-free" auf?

Hannes Ametsreiter: Nein. Bob unterscheidet sich hier ganz klar von Yesss. Yesss ist eine Wertkarte, bob ist ein Vertrag. Aber ein Vertrag, den Sie sehr einfach über das Telefon abschließen können. Daher wollen wir auch diejenigen Personen ansprechen, die einfach telefonieren wollen und nicht ständig aufladen. Dadurch sind wir ganz klar anders positioniert. Wir werden dieses Konzept noch weiter entwickeln und werden, nach dem jetzigen Status, kein Wertkarten-Angebot bringen.

WebStandard: Was passiert mit den zahlreichen bob-Minis, die man zur Beginn der Markteinführung gesehen hat?

Hannes Ametsreiter: Die sind nicht in unserem Eigentum. Die werden nur eingesetzt, um spezielle Promotion-Aktionen abzuwickeln.

WebStandard: Wie steht es um den Namensstreit mit den Eigentümern des "bob-magazine"?

Hannes Ametsreiter: Das ganze wird vom Gericht entschieden werden.

WebStandard: Man ist also noch in den Verhandlungen.

Hannes Ametsreiter: Ja. Wir haben den Namen in unserer Kategorie, der Telekommunikation, schützen lassen. Von daher ist das jetzt eine Entscheidung des Gerichts.

WebStandard: Weshalb hat man sich überhaupt für den Namen "bob" entschieden, wo er doch bereits etabliert war?

Hannes Ametsreiter: Ganz einfach. Wir haben geprüft, ob der Namen in unserer Kategorie bereits geschützt ist und das war nicht der Fall. Dann haben wir das Ganze beim Patentamt und den entsprechenden Markenrechtsbehörden angemeldet. Damit war das für uns erledigt.

WebStandard: Und was war so attraktiv am Namen?

Hannes Ametsreiter: Best of both – Sie haben das beste Netz und den besten Preis. (Die Fragen stellte Zsolt Wilhelm)

Zur Person

Hannes Ametsreiter wurde 1967 in Salzburg geboren, wo er Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Sportwissenschaft studierte. 1996 startete er seine Laufbahn in der Telekom-Branche im Produktmanagement von mobilkom austria. Zwei Jahre später übernahm er die Leitung dieser Abteilung. Im Oktober 2000 stieg er zum Marketing-Bereichsleiters auf. Seit Jänner 2001 leitet Ametsreiter den neu geschaffenen Vorstandsbereich Marketing und Vertrieb, der im Juni 2002 um den Bereich Customer Services erweitert wurde. Zusätzlich ist Ametsreiter seit Juli 2005 CMO der Mobiltel.

Links

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Yesss

Zur Nachlese

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