Callgirl-Ring mit Promi-Kunden: Vorerhebungen gegen vier Freier

31. Oktober 2006, 09:02
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Staatsanwaltschaft Korneuburg lässt wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen auch gegen US-Anwalt Ed Fagan ermitteln

Korneuburg/Wien - Im Zusammenhang mit jenem Callgirl-Ring, der im Jahr 2004 teilweise noch minderjährige Prostituierte an wohl situierte Männer aus den besten Kreisen vermittelt haben soll, sind bei der Staatsanwaltschaft Korneuburg gerichtliche Vorerhebungen gegen insgesamt vier Freier anhängig. Der Verdacht: Sexueller Missbrauch von Jugendlichen nach Paragraf 207b Absatz 3 Strafgesetzbuch. Von den Ermittlungen betroffen ist auch der prominente US-Anwalt Ed Fagan, gab der leitende Staatsanwalt Friedrich Köhl am Montag auf APA-Anfrage bekannt.

Die Vorerhebungen werden auf Basis einer Mitte Oktober eingelangten Anzeige der Polizeibehörden geführt, die in dieser Sache auf Betreiben der Oberstaatsanwaltschaft Wien die Ermittlungen aufgenommen hatten: Die Staatsanwaltschaft hatte von Amts wegen zwar gegen die Betreiber des Escort-Service Anklage erhoben - diese sind längst rechtskräftig abgeurteilt -, aber selbst jene Freier unbehelligt gelassen, bei denen es konkrete Verdachtsmomente gab, wonach sie gezielt Kontakt zu minderjährigen Mädchen begehrt hatten. Die Oberstaatsanwaltschaft goutierte das nicht und ordnete eine nachträgliche Überprüfung jener Fälle an, da bezahlter Sex mit unter 18-Jährigen mit bis zu drei Jahren Haft bedroht ist.

Minderjährige "bestellt"

Vier Männer, die ausdrücklich Minderjährige "bestellt" haben sollen, müssen nun befürchten, deswegen vor Gericht gestellt zu werden. Ed Fagan soll in einem Wiener Hotel Kontakt zu einer 17 Jahre alten Litauerin gehabt haben. Der Promi-Anwalt, für den die Unschuldsvermutung gilt, behauptet, das Alter des Mädchens nicht gekannt und sie für über 18 gehalten zu haben.

Wie lange die Vorerhebungen noch dauern werden, vermochte Köhl nicht abzuschätzen. "Der Zeitpunkt für die Enderledigung ist nicht absehbar", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren werde im jetzigen Stadium vom U-Richter geführt, dieser könnte allenfalls weitere Einvernahmen für notwendig erachten. Ob gegen die vier Freier spät, aber doch ein Antrag auf Bestrafung eingebracht oder die Anzeige letzten Endes zurückgelegt wird, sollte sich aber vor Jahresende entscheiden. (APA)

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