Warnung vor Weltwirtschaftskrise wie im vergangenen Jahrhundert

29. Oktober 2006, 19:06
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Neuer Bericht der britischen Regierung: Falls der Klimawandel nicht gebremst wird, würde ein Sechstel der Weltbevölkerung leiden

London - 700 Seiten hat der Bericht für Premier Tony Blair. Der Inhalt des vom früheren Weltbank-Ökonomen Nicholas Stern im Auftrag der Regierung erstellten Konvolutes: eine eindringliche Warnung vor der Untätigkeit im Kampf gegen die Erderwärmung, die langfristig auch eine neue Weltwirtschaftskrise heraufbeschwören könne.

Die Welt habe nicht mehr die Wahl zwischen dem Kampf gegen die Erderwärmung und wirtschaftlichem Wachstum, betont Stern. Und setzt damit zugleich indirekt eine Spitze gegen US-Präsident George W. Bush, der aus dem Klimaschutzprotokoll von Kioto mit der Begründung ausgestiegen war, das Abkommen koste die USA zu viele Arbeitsplätze und nehme gleichzeitig die Entwicklungsländer nicht stark genug in die Pflicht.

Stern widerspricht eine solchen Haltung: "Die Vorteile entschlossenen und raschen Handelns überwiegen bei Weitem die Kosten." Falls beim Klimaschutz nicht umgesteuert werde, könne es langfristig zu katastrophalen sozialen und ökonomischen Folgen kommen, die durchaus das Ausmaß der Weltwirtschaftskrise der frühen 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts annehmen könnten.

Durch den Temperaturanstieg und abschmelzende Gletscher würden Überflutungen zunehmen und sich zugleich die Wasserreserven verringern. Ein Sechstel der Weltbevölkerung werde dies dann drastisch zu spüren bekommen, insbesondere auf dem indischen Subkontinent, in Teilen Chinas und in der südamerikanischen Anden-Region. In Afrika würden hunderte Millionen Menschen ihre Ernte verlieren. Zugleich nehme die Gefahr zu, dass es durch ein Ansteigen des Meeresspiegels zu verheerenden Überflutungen komme.

Stern fordert eine koordinierte Anstrengung von armen und reichen Ländern, den Klimawandel zu bekämpfen. Die Industriestaaten sollten sich dabei verpflichten, bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen massiv zu drücken. Zudem sollten weltweit die Ausgaben für die Forschung an Technologien zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes verdoppelt werden.

Am 6. November beginnen in Nairobi Gespräche der Vereinten Nationen über Maßnahmen zum Klimaschutz. Dabei soll über Anschlusslösungen für das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll gesprochen werden. Blair setzt sich für eine Initiative ein, die auch die USA mit einbezieht - die den weltweit größten Ausstoß von Treibhausgasen haben.

Die Europäische Union steht im Vergleich mit den USA zwar besser da, mit den Zielen des Kioto-Protokolls haben dennoch mehrere Mitgliedsstaaten Probleme - darunter auch Österreich. Wie berichtet gehört Österreich mit Spanien, Dänemark, Portugal, Italien, Irland und Belgien zu jenen sieben Staaten der EU-15, die es bis 2010 nicht schaffen werden, die CO2-Emissionen im vereinbarten Maß zu senken. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 10. 2006)

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    Am Dongting-See, dem zweitgrößten Gewässer Chinas, herrscht die schlimmste Dürre seit 30 Jahren. Trockenheit und Missernten in China könnten die Regel werden, warnt eine Studie.

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