Hayden heißt der neue Champ

7. März 2007, 11:03
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Dritter beim Finale in Valencia, Rossi nach Sturz chancenlos - Platz vier genügte Lokal­matador Lorenzo zum 250ccm-Titel

Valencia - Tränen der Freude bei Nicky Hayden, Enttäuschung pur bei Valentino Rossi: Die MotoGP-Weltmeisterschaft erlebte beim Finale am Sonntag in Valencia ihren dramatischen Höhepunkt. Ein Sturz in der fünften Runde kostete den italienischen Titelverteidiger Rossi den achten Titel und machte den US-Amerikaner erstmals zum Weltmeister. Ebenfalls zum ersten Titel seiner Karriere fuhr der Spanier Jorge Lorenzo in der 250-ccm-Klasse.

Knappe Angelegenheit

Am Ende entschieden in der MotoGP zwei tausendstel Sekunden über die WM-Vergabe. Mit dieser Differenz hatte Rossi vor zwei Wochen in Estoril gegen den Spanier Toni Elias verloren und die fünf Punkte eingebüßt, die Hayden (Honda) nun in der Endabrechnung voranliegt. Den Sieg im 17. und letzten Saisonlauf sicherte sich der australische Ducati-Ersatzfahrer Troy Bayliss vor seinem italienischen Markenkollegen Loris Capirossi und Hayden. Rossi wurde 13.

Rossi, von der Pole Position schlecht gestartet und nur an Position sieben fahrend, rutschte in der fünften Runde über beide Räder seiner Yamaha weg und stürzte. Zwar raffte sich der siebenfache Weltmeister sofort wieder auf, doch als 20. und Letzter hatte er in den verbleibenden 25 Runden keine Chance mehr, um entscheidend nach vorn zu kommen und Haydens ersten Triumph noch zu verhindern. Rossi war mit einem Vorsprung von acht Punkten nach Valencia gefahren. Haydens Titelchancen waren in Portugal geschmolzen, als ihn Teamkollege Dani Pedrosa bei einem Sturz von der Strecke gerissen hatte. Doch das Blatt wendete sich beim Kehraus nochmals.

"Stolz und überglücklich"

"Wir geben nicht auf, auch wenn wir am Boden sind, wir kämpfen. Ich bin wirklich stolz und überglücklich, es war ein langer Weg, ich musste bis zur Zielflagge warten", sagte der "The Kentucky Kid" und "Trick Daddy" genannte 25-Jährige Hayden aus Owensboro. Erst in der zehnten Runde hatte er mitbekommen, dass Rossi gestürzt war. "Ich habe dann nur versucht, so weit wie möglich vorne zu bleiben." Erster Gratulant war der unterlegene Rossi, der kommende Saison aber nochmals auf den achten Titel losgehen wird.

Erster 250ccm-Titel für Lorenzo

Bei den 250ern holte sich Alex de Angelis aus San Marino (Aprilia) seinen ersten Sieg, Lorenzo genügte Platz vier zum ersten Titel. Zum dritten Mal en suite ging damit die WM-Krone an einen Spanier, nachdem 2004 und 2005 jeweils Daniel Pedrosa den Titel erobert hatte. Lorenzo war der stabilste Fahrer der Saison in der Viertelliter-Klasse. Der 19-Jährige holte acht Siege.

Als ihm in den letzten Rennen die Luft auszugehen schien, zeigte sein Team Zusammenhalt. In Valencia schirmte Alex Debon fast über die halbe Renndistanz Lorenzos schärfsten Rivalen Andrea Dovizioso (Italien/Siebenter) ab, sodass der Titelgewinn nie ernsthaft in Gefahr geriet. Im Ziel feierte er mit Goldhelm und goldenen Stiefeln, nachdem er sich im Highsider-Stil vor seinen Fans ins Kiesbett geworfen hatte.

In der 125er-Klasse gewann der Spanier Hector Faubel (ESP) auf Aprilia vor dem finnischen KTM-Piloten Mika Kallio (+1,764 Sek.). Der viertplatzierte Alvaro Bautista (ESP/Aprilia) war bereist als Weltmeister vor Kallio festgestanden. Der Österreicher Michael Ranseder aus dem Red-Bull-Junior-Team wurde 24., er blieb in der WM 2006 punktlos. KTM hat seinen Vertrag gekündigt, Ranseder ist aber zuversichtlich, in der WM zu bleiben. "Es ist noch nichts fix, aber es schaut nicht so schlecht aus."

KTM trennte sich auch von Stefan Bradl (GER) und Julian Simon (ESP), der in der kommenden Saison in der Viertelliter-Klasse für Repsol Honda fahren wird. Auch Kallio steigt in die 250er-Kategorie auf, hält aber KTM im Gegensatz zum Spanier die Treue. "Wir haben keine Eile und werden jetzt mehrere Fahrer testen, bevor wir eine Entscheidung treffen, wer in der kommenden Saison Simon in der 125er-Klasse ersetzen wird", betonte KTM-Sportchef Heinz Kinigadner. (APA/dpa/Reuters)

  • MotoGP (30 Runden/120,15 km):

    1. Troy Bayliss (AUS) Ducati 46:55,415 Min. - 2. Loris Capirossi (ITA) Ducati 1,319 Sek. - 3. Nicky Hayden (USA) Honda 9,230 - 4. Dani Pedrosa (ESP) Honda 12,065 - 5. Marco Melandri (ITA) Honda 16,306 - 6. Toni Elias (ESP) Honda 17,390 - 7. Shinya Nakano (JPN) Kawasaki 19,329 - 8. Kenny Roberts Jr. (USA) KR211V 23,174 - 9. Colin Edwards (USA) Yamaha 26,072 - 10. Carlos Checa (ESP) Yamaha 28,194. Weiter: 13. Valentino Rossi (ITA) Yamaha 38,546.

    WM-Endstände nach 17 Rennen - Fahrerwertung: 1. Hayden 252 Punkte - 2. Rossi 247 - 3. Capirossi 229 - 4. Melandri 228 - 5. Pedrosa 215 - 6. Roberts 134 - 7. Edwards 124 - 8. Casey Stoner (AUS) Honda 119 - 9. Elias 116 - 10. John Hopkins (USA) Suzuki 116

    Konstrukteurswertung: 1. Honda 360 - 2. Yamaha 289 - 3. Ducati 248 - 4. Suzuki 151 - 5. KR211V 134 - 6. Kawasaki 109 - 7. Ilmor X3 2

    Team: 1. Repsol Honda Team 467 - 2. Camel Yamaha Team 371 - 3. Ducati Marlboro Team 356

  • Klasse bis 250 ccm (27 Runden/108,135 km):

    1. Alex De Angelis (SMR) Aprilia 43:52,247 Min. (Schnitt: 147,891 km/h) - 2. Roberto Locatelli (ITA) Aprilia) 4,524 - 3. Hector Barbera (ESP) Aprilia 9,551 - 4. Jorge Lorenzo (ESP) Aprilia 11,366 - 5. Alex Debon (ESP) Aprilia 14,957 - 6. 6. Shuhei Aoyama (JPN) Honda 17,621 - 7. Andrea Divizioso (ITA) Honda 18,505 - 8. Manuel Poggiali (SMR) KTM 18,846. Nicht im Klassement: Hiroshi Aoyama (JPN) KTM

    WM-Endstände nach 16 Rennen - Fahrerwertung: 1. Lorenzo 289 Punkte - 2. Dovizioso 272 - 3. De Angelis 228 - 4. H. Aoyama 193 - 5. Locatelli 191 - 6. Yuki Takahashi (JPN) Honda 156 - 7. Barbera 152 - 8. S. Aoyama 99 - 9. Sylvain Guintoli (FRA) Aprilia 96 - 10. Marco Simoncelli (ITA) Gilera 92. Weiter: 14. Poggiali 50

    Konstrukteurswertung: 1. Aprilia 357 Punkte - 2. Honda 290 - 3. KTM 205 - 4. Gilera 92 - 5. Yamaha 8

  • Klasse bis 125 ccm (24 Runden/96,12 km):

    1. Hector Faubel (ESP) Aprilia 40:15,460 Minuten (Schnitt: 143,257 km/h) - 2. Mika Kallio (FIN) KTM +1,764 Sek. - 3. Sergio Gadea (ESP) Aprilia 1,938 - 4. Alvaro Bautista (ESP) Aprilia 8,646 - 5. Lukas Pesek (CZE) Derbi 8,673 - 6. Pol Espargaro (ESP) Honda 12,428. Weiter: 24. Michael Ranseder (AUT/Red Bull Junior) KTM 1:02,918 - 32. Blake Leigh-Smith (AUS) KTM 1:19,944. Nicht im Klassement: Julian Simon (ESP), Randy Krummenacher (SUI) beide KTM

    WM-Endstände nach 16 Rennen - Fahrerwertung: 1. Bautista 338 Punkte - 2. Kallio 262 - 3. Faubel 197 - 4. Mattia Pasini (ITA) Aprilia 192 - 5. Gadea 160 - 6. Pesek 154 - 7. Gabor Talmacsi (HUN) Honda 119 - 8. Thomas Lüthi (SUI) Honda 113 - 9. Simon 97 - 10. Joan Olive (ESP) Aprilia 85 - 26. Stefan Bradl (GER) KTM 4

    Konstrukteurswertung: 1. Aprilia 373 Punkte - 2. KTM 267 - 3. Honda 170 - 4. Derbi 163 - 5. Gilera 79 - 6. Malaguti 49

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      Nach vier Triumphen für "Il dottore" Valentino Rossi en suite...

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      ... war heuer Nicky Hayden der Glücklichere.

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