Teheran verdoppelt Kapazitäten zur Urananreicherung

29. Oktober 2006, 13:48
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Bericht über weitere Inbetriebnahme von Gaszentrifugen bestätigt

Teheran - Der Iran hat nach Angaben eines leitenden Mitglieds seiner Atombehörde seine Kapazitäten zur Urananreicherung verdoppelt. Der stellvertretende Direktor der iranischen Atomenergiebehörde Mohammed Ghanad bestätigte in der Zeitung "Iran" (Samstag) einen Bericht vom Vortag, im Atomforschungszentrum Natanz im Zentraliran sei eine weitere Gruppe von Zentrifugen in Betrieb genommen worden.

328 Zentrifugen trotz Sanktionen in Betrieb

Das Uran sei zum Teil bis zu einem Grad zwischen drei und fünf Prozent angereichert worden. Damit hätte der Iran ungeachtet der Drohung des Weltsicherheitsrats mit Sanktionen bisher 328 Zentrifugen in Betrieb genommen. In der Anlage in Natanz befinden sich den Angaben zufolge zwei Kaskaden mit jeweils 164 Zentrifugen. Das staatliche iranische Fernsehen betonte, Ziel sei es, bis zum 20. März 2007, dem Ende des iranischen Jahres, insgesamt 3000 Zentrifugen zum Laufen zu bringen.

Atombombenbau

Insbesondere der Westen fürchtet, der Iran könnte das hoch angereicherte Uran zum Atombombenbau einsetzen. Dafür sind größere Mengen U-235 nötig. Wie lange der Gewinnung dauern könnte, ist umstritten. Der Iran beteuert, das Uran nur zur Energiegewinnung nutzen zu wollen. Eine Bestätigung der erfolgreichen Inbetriebnahme weiterer Kaskaden durch ein Mitglied der iranischen Führungsspitze gab es bisher nicht. Beobachter bezweifeln angesichts technischer Probleme bei der Inbetriebnahme der Zentrifugen auch, dass der Iran seinen Zeitplan einhalten kann.

Keinerlei geheime militärische Projekte

Das staatliche Fernsehen versicherte, es gebe keinerlei geheime militärische Projekte. Die internationale Kritik sei rein politisch motiviert. Der Weltsicherheitsrat hatte Teheran erfolglos dazu aufgefordert, bis Ende August sein Uran-Anreicherungsprogramm einzustellen, hat sich bisher aber nicht auf Sanktionen gegen Teheran einigen können. Um Uran in industriellem Umfang anzureichern, bräuchte das Land tausende weitere Zentrifugen.

Karikaturenstreit

Die Regierungszeitung "Iran", die über die Fortschritte beim Atomprogramm berichtete, war erst am Samstag nach fünf Monate dauernder Schließung wieder geöffnet worden. Das Blatt musste nach der Veröffentlichung einer Karikatur, in der ein Angehöriger der Volksgruppe der Azeri als Kakerlake dargestellt worden war, schließen. Wegen der Karikatur war es zu schweren Unruhen im Nordwest-Iran, dem Siedlungsgebiet der Azeris, gekommen.

Am vergangenen Montag war die gemäßigte Zeitung "Rouzegar" geschlossen worden, wegen ihrer angeblichen Ähnlichkeit mit der im September verbotenen Reformerzeitung "Shargh". (APA/dpa)

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