Kleine Gefechte am Jahrestag der Jugend-Unruhen in Frankreich

28. Oktober 2006, 16:46
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Polizei vermeldet 25 Festnahmen und sechs verletzte Beamte - Zwei Busse in Brand gesteckt

Paris - Am Jahrestag der Jugendkrawalle in Frankreich sind die befürchteten Unruhen weitgehend ausgeblieben. In der Nacht zum Samstag habe es lediglich vereinzelte Zwischenfälle gegeben, teilte das Innenministerium mit. "Es war eine relativ ruhige Nacht." In französischen Vororten machte die Polizei 25 Festnahmen, davon 21 im Umland von Paris. Sechs Polizisten wurden leicht verletzt.

Zwei Busse in Brand gesetzt

In einem Pariser Vorort setzen Unbekannte am Freitagabend zwei Busse in Brand: Nordöstlich der Hauptstadt kaperten zwei Vermummte in Blanc-Mesnil einen Linienbus. Danach forderten sie die rund 15 Fahrgäste zum Verlassen des Fahrzeugs auf, bevor sie es anzündeten, wie Polizisten berichteten. Der Busfahrer sei an seiner Krawatte aus dem Fahrzeug gezogen worden, danach hätten die Jugendlichen einen Molotov-Cocktail in den Wagen geworfen. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in einer anderen Gegend des Vororts. Dort seien die Täter bewaffnet gewesen, sagte ein Behördenvertreter.

Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen

Im Umland von Paris sind seit vergangenen Sonntag mindestens fünf Linienbusse angezündet worden. Die Regierung hatte die Sicherheitsmaßnahmen am Jahrestag des Ausbruchs der Jugend-Unruhen in den Vorstädten am Freitag verstärkt. In der Nacht zum Samstag setzte die Polizei 4000 zusätzliche Kräfte ein. "Dies hat uns erlaubt, schnell einzugreifen, wenn es zu Gewaltakten kam", erklärte das Innenministerium. Polizisten zeigten verstärkt in den sozialen Brennpunkten Präsenz. Dabei sollten insbesondere Busstrecken geschützt werden.

20 Autos in Flammen

In dem Département Seine-Saint-Denis gingen bis kurz vor Mitternacht 20 Autos in Flammen auf, und in einem östlichen Pariser Vorort kam es zwischen Polizei und maskierten Jugendlichen zu Auseinandersetzungen. In Toulouse steckten Jugendliche mindestens vier Autos in Brand. Dort warfen etwa 30 junge Randalierer Steine auf Sicherheitskräfte. Auch aus der Stadt Meaux wurden Gewaltausbrüche gemeldet. "Es geht schon heiß her, aber es hat nicht die Ausmaße der Unruhen vom vorigen Jahr", fasste ein Polizeibeamter die Lage in der Nacht zusammen.

Jugendliche gesucht

Auch aus dem Süden von Toulouse, der Stadt Meaux und der Vorstadt Clichy-sous-Bois nordöstlich von Paris, wo die Unruhen im vergangenen Jahr ihren Anfang genommen hatten, wurde von Gewaltausbrüchen berichtet. Nach Angaben des Innenministeriums griffen Jugendliche Polizisten an und setzen Autos in Brand. In der Vorstadt Montfermeil gab es am späten Freitagabend eine Razzia in einer Wohnsiedlung, an der zahlreiche Bereitschaftspolizisten beteiligt waren. Gesucht wurden Jugendliche, die Straßenlampen zerstört und Autos in Brand gesetzt haben sollen.

Unruhen vor einem Jahr

Vor einem Jahr waren in Pariser Vororten Unruhen ausgebrochen, die das Land wochenlang in Atem hielten. Bei den Krawallen hatten vornehmlich aus afrikanischen und arabischen Familien stammende Jugendliche Tausende Autos in Brand gesetzt. Über 300 Schulen, Bibliotheken und öffentliche Gebäude wurden damals verwüstet. Mit einem Schweigemarsch gedachten am Freitag rund 1000 Menschen aus Zuwandererfamilien der beiden Jugendlichen, deren Tod auf der Flucht vor der Polizei die Unruhen 2005 ausgelöst hatte.

Seit den Ausschreitungen vor einem Jahr sind die Zwischenfälle in Frankreichs Vorstädten nie abgerissen. Im Durchschnitt werden täglich 115 Fahrzeuge angezündet und 15 Sicherheitspolizisten angegriffen.(APA/Reuters/dpa)

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