Globale Erwärmung begünstigt tödliche Pilz-Epidemie bei Fröschen

6. November 2006, 13:58
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Bestand schwindet weltweit: Laut Forscher klarstes Beispiel für Zusammenhang zwischen Klimaänderung und stärker werdenden Infektionen

Madrid/London - Dass die Frösche und Kröten der Welt extrem unter Druck geraten sind, ist keine Neuigkeit mehr. Nun haben Forscher des National Museum of Natural Science in Madrid erstmals entdeckt, dass auch die iberische Geburtshelferkröte ein Opfer der tödlichen Pilzerkrankung geworden ist. Und diese Pilzerkrankung wird offensichtlich durch die globale Erwärmung richtig angefeuert, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner jüngsten Online-Ausgabe. Eine ähnliche Konstellation konnten Forscher in den südamerikanischen Bergen feststellen.

Bestand auf Minimum gesunken

Der Chytrid-Pilz Batrachochytrium dendrobatidis ist ein für die Froschlurche tödliches Pathogen. Der Tröpfchenpilz führt zu einer Beeinträchtigung des Wasser- und Elektrolyt-Haushaltes bei den Tieren. Der genaue Auslöser dieser Epidemie ist noch ungeklärt. Die Pilzinfektion verläuft meist tödlich. Der Pilz hatte dafür gesorgt, dass 74 der insgesamt 110 Harlekinfrosch-Spezies in Mittel- und Südamerika seit 1980 ausgestorben sind. In den vergangenen zehn Jahren ist dieser Krankheitserreger auch nach Europa gekommen. Einer der ersten Opfer in Europa waren die Geburtshelferkröten (Alytes obstetricans) im Penalara Natural Park. Der Krötenbestand im Nationalpark ist nach Angaben der Forscher auf ein Minimum gesunken.

Wesentlich anfälliger für Klimaänderungen

Wissenschaftler um Jaime Bosch vom National Museum of Natural Science haben die Aussterbensrate der Kröte mit den meteorologischen Daten von 1976 bis 2002 verglichen und erkannten einen Zusammenhang zwischen der steigenden Temperatur und den Auswirkungen des Pilzes. "Diese Infektion ist das klarste und beste Beispiel für einen Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und einer immer stärker werdenden Infektionskrankeit", so Co-Autor Matthew Fisher vom Imperial College in London. Dadurch, dass die Amphibien Kaltblütler sind, sind sie wesentlich anfälliger für Klimaänderungen. Das bedeutet, dass ihre Abwehrkraft gegen Krankheiten deutlich geschwächt ist. Der Forscher nimmt auch an, dass die milden Winter dafür sorgen, dass der Pilz nicht verschwindet, sondern Jahr für Jahr erneut auftritt. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Forscher James Hanken von der Harvard University. "Wärmere Winter und trockenere Sommer könnten tatsächlich einen negativen Einfluss auf die Amphibien haben und einen physiologischen Stress verursachen. Dieser macht sie für Erkrankungen besonders anfällig."

Schaffung von Schutzzonen nicht ausreichend

Die Wissenschaftler haben auf ihre Arbeit großes Echo in der Fachwelt erhalten. Auch Experten aus Costa Rica wie etwa der Ökologe Alan Pounds vom Monteverde Cloud Forest Preserve haben sich dazu gemeldet und auf die alarmierende Situation der Froschlurche auch in unbewohnten und geschützten Gebieten hingewiesen. "Der Rückgang der Amphibien macht klar, dass die Schaffung von Parks und Schutzzonen allein bei weitem nicht ausreicht." Pounds hatte mit seinem Forscherteam daraufhin gewiesen, dass auch der Rückgang der Amphibien in Mittelamerika mit der Klimaänderung in Zusammenhang steht. (pte)

  • Der Tröpfchenpilz führt zu einer Beeinträchtigung des Wasser- und Elektrolyt-Haushaltes bei den Amphibien.
    foto: jaime bosch/new scietist

    Der Tröpfchenpilz führt zu einer Beeinträchtigung des Wasser- und Elektrolyt-Haushaltes bei den Amphibien.

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